Kinder haften für ihre Eltern – der Klassiker unter den Parolen des Steuerzahlerbundes gilt heute mehr denn je. Schulden, die der Staat anhäuft, engen die Möglichkeiten der jüngeren und künftigen Generationen gewaltig ein. Allein die Zinszahlungen kosten jährlich viele Milliarden, Geld, das etwa für Investitionen in Bildung und Infrastruktur fehlt. Doch zum Leben auf Pump schien die Politik jahrzehntelang keine Alternative zu kennen.

So entfallen heute auf jeden Bundesbürger rund 24 000 Euro Schulden. Öffentlichkeitswirksam erinnert seit 22 Jahren die Schuldenuhr an die gewaltigen Verbindlichkeiten, die immer weiter stiegen. Bis jetzt. Dass die berühmte Anzeige mit den großen roten Ziffern nun erstmals einen – wenn auch langsam – sinkenden Schuldenstand anzeigt, ist erfreulich. Doch die Politik hat dazu allenfalls einen kleinen Teil beigetragen.

Zwar war der erstmals seit Jahrzehnten ausgeglichene Haushalt von 2015 ein wichtiges Signal, doch die anhaltend gute Konjunktur und die niedrigen Zinsen spielen für die leicht entspannte Kassenlage der Republik eine deutlich größere Rolle. Mag die Tilgung noch so winzig sein – die Richtung stimmt. Die künftige Bundesregierung – vielleicht wieder eine Große Koalition, wer weiß das schon – sollte sich indes vorsehen, die kleinen Erfolge nicht wieder zu gefährden. Steuern weiter zu erhöhen, wie es manche SPD-Politiker fordern, würde in die Sackgasse führen. Jetzt wäre endlich die Zeit für eine steuerliche Entlastung der Bürger, die dann mehr Geld ausgeben und damit die Wirtschaft weiter ankurbeln könnten.

Letztlich flösse wohl sogar mehr in die Staatskasse. Gleichzeitig muss gerade jetzt die Frage nach Höhe, Nutzen, Berechtigung und Sinnhaftigkeit jeder einzelnen Ausgabe noch viel stärker diskutiert werden. Quer durch alle Politikfelder, von A wie Arbeitsmarkt bis Z wie Zuwanderung. Teure Extrawürste für bestimmte Berufsgruppen sind ebenso auf den Prüfstand zu stellen wie unsinnige Großprojekte. Dann wären auch die dringend nötigen, massiven Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Digitalisierung möglich. Die wiederum dazu beitragen würden, das Land auf einem gutem Weg zu halten – der Schritt für Schritt heraus aus der Schuldenfalle führt.