Die Aktionen sollen Russlands Präsidenten Wladimir Putin klarmachen, dass die Nato ihre osteuropäischen Mitglieder nicht im Stich lassen wird. Die Nato-Verteidigungsminister beraten am Donnerstag über einen weiteren Ausbau der Bündniskräfte. 

TAUSENDE SOLDATEN IN OSTEUROPA - Das deutlichste Signal an Putin war die Stationierung von rund 4000 Soldaten in den drei baltischen Staaten sowie Polen im vergangenen Jahr. Deutschland übernahm dabei die Führungsrolle über ein Bataillon in Litauen, Großbritannien in Estland, Kanada in Lettland und die USA in Polen. Die 800 bis 1000 Soldaten pro Land sollen alle sechs bis neun Monate ausgewechselt werden. Mit der Rotation will das Bündnis verhindern, dass es gegen die Nato-Russland-Grundakte verstößt, nach der eine dauerhafte Präsenz größerer Kampfverbände im Osten vermieden werden soll.

SCHNELLE EINGREIFTRUPPE - 2015 beschloss die Nato eine neue schnelle Eingreiftruppe. 5000 Soldaten der sogenannten Speerspitze sind ständig in Alarmbereitschaft. Erste Kräfte sollen binnen 48 Stunden samt Ausrüstung und Waffen in Krisengebiete verlegt werden können. Diese Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) ist Teil der bisherigen Eingreiftruppe Nato Response Force (NRF), die gleichzeitig von ursprünglich 13.000 auf 40.000 Soldaten ausgebaut wurde. Ihre Kräfte können binnen 30 bis 45 Tagen verlegt werden.

STÄNDIGE NATO-STÜTZPUNKTE IN OSTEUROPA - In Osteuropa hat die Nato acht ständige Stützpunkte aufgebaut, die als Brückenkopf für die „Speerspitze“ dienen. Die Basen in den drei baltischen Staaten sowie Bulgarien, Polen, Rumänien, Ungarn und der Slowakei sind mit 40 Logistik- und Führungsexperten besetzt, die als „Empfangskomitee“ dienen. Waffen sind dort nicht eingelagert, aber Nahrungsmittel und medizinische Versorgungsgüter.

SCHNELL VERLEGBARE RESERVEN - Neu ist der Plan, insgesamt 90 bestehende Verbände und Einheiten gleichfalls binnen 30 Tagen kampfbereit zu machen. Sie sollen aus allen drei Streitkräftebereichen kommen und umfassen 30 Heeres-Bataillone, 30 Flugzeug-Staffeln und 30 Einheiten mit größeren Schiffen oder U-Booten. Sie sollen bis 2020 in größeren Konflikten oder Krisen als Reserve bereitstehen.

AUSBAU DER KOMMANDOSTRUKTUR - Auch die Nato-Kommandostruktur wurde nach dem Ende des Kalten Krieges stark zurückgefahren. Dies will das Bündnis wieder ändern. In Ulm soll ein Logistik-Kommando entstehen, das für die schnelle Truppenverlegung innerhalb Europas zuständig ist. Ein weiteres Kommando zur Sicherung der Seewege und Kommunikationsverbindungen über den Atlantik wird in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia aufgebaut. Die Gesamtzahl der Posten in der Kommandostruktur soll um 1200 auf gut 8000 erhöht werden.

RAKETENSCHILD - Schon seit Anfang des Jahrzehnts baut die Nato einen Raketenschild auf, der die europäischen Verbündeten vor Angriffen schützen soll. Das Bündnis verweist dabei regelmäßig auf mögliche Bedrohungen durch Mittelstreckenraketen aus dem Nahen Osten und insbesondere aus dem Iran. Russland sieht den Schild mit starken Radaranlagen aber auch als Bedrohung seiner Sicherheit.

GRÖSSERE MANÖVER UND PATROUILLEN - Auch durch mehr Übungen und Manöver will die Nato verstärkt Flagge zeigen. Im Oktober hält das Bündnis mit „Trident Juncture 18“ sein bisher größtes Manöver ab. An der Übung rund um Norwegen nehmen mehr als 40.000 Soldaten, 70 Schiffe und 130 Flugzeuge teil. Angesichts der Nähe zu Russlands Grenzen dürfte Moskau die Übung mit großem Misstrauen sehen. Zudem hat das Bündnis Patrouillen mit Flugzeugen und Schiffen im Raum der Ostsee und der baltischen Staaten verstärkt.