Irgendwann würde jemand reden: Das war absehbar. Schon vor Wochen wurde bekannt, dass vermeintliche Spender der Wahlkampagne von AfD-Chef Jörg Meuthen 2016 offenbar nur ihren Namen verkauft hatten, hinter den Geldgebern aber andere steckten. Nach Recherchen des "Spiegel" und "Report Mainz" soll einer dieser Strohmänner nun eingeräumt haben, für den Namensbetrug 1000 Euro bekommen zu haben. Zuvor habe er demnach behauptet, die Kampagne mit einem hohen vierstelligen Betrag unterstützt zu haben.

Bundesverwaltung wartet Ermittlungen ab

"Zu den Namen auf den Listen können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider nichts sagen", teilte ein Sprecher der Bundestagsverwaltung dem SÜDKURIER auf Anfrage mit. Im Fall Meuthen will die Verwaltung demnach die Untersuchung der Staatsanwaltschaft Stuttgart abwarten. Dem Spiegel-Bericht zufolge soll der Strohmann den Betrug bei einer Aussage beim Landeskriminalamt bestätigt haben. Vermittelt haben soll das Geschäft demnach ein Bekannter, dessen Identität aber nicht genannt wurde.

Der Europawahl-Spitzenkandidat Meuthen rutscht damit immer tiefer in die Spendenaffäre um die Partei, die im Herbst zunächst mit der Aufdeckung einer illegalen Wahlkampfspende an Alice Weidel über 130 000 Euro aus der Schweiz begann. Meuthen soll über eine Werbekampagne der Schweizer PR-Agentur Goal AG vor der Landtagswahl 2016 profitiert haben.

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Der Bundestagsverwaltung übermittelte die Partei eine Liste mit zehn Namen, die die Kampagne finanziert haben sollen. Die Liste soll die PR-Agentur der Partei geschickt haben. "Ich kann Ihnen bestätigen, dass sich die Prüfung der Bundestagsverwaltung auch auf Unterstützungsmaßnahmen für Herrn Prof. Dr. Meuthen beziehen", sagte ein Sprecher der Bundestagsverwaltung schon damals. Demnach gehe es um einen Betrag von 89 800 Euro.

Verbindungen zur Spendenaffäre um Weidel

Die Goal AG bestritt, je "für die AfD gearbeitet oder einen Auftrag erhalten zu haben", wie Geschäftsführer Alexander Segert im Januar mitteilte. Meuthen bezeichnete Segert allerdings als persönlichen Bekannten. Die Namensliste in der Spendenaffäre um Weidel soll ihren Ursprung neben der Schweizer Pharmafirma PWS ebenfalls bei der Goal AG haben. Die Staatsanwaltschaft Konstanz zweifelt auch im Fall Weidel, ob die genannten Personen tatsächlich die Spender waren.