Nach den Titelseiten der iranischen Presse zu urteilen, war die Vermittlungsmission von Bundesaußenminister Heiko Maas im Streit zwischen Teheran und Washington ein Fehlschlag. In einer Karikatur des erzkonservativen Blattes „Javan“ erschien Maas mit Hitler-Gruß, einer amerikanischen Fahne als Krawatte und einer Brille aus Davidsternen. Das Scheitern von Maas‘ Besuch in Teheran wirft die Frage auf, wie es mit den Spannungen am Golf weitergeht. Ironischerweise könnten die Hoffnungen auf Frieden am Ende ausgerechnet auf Donald Trump ruhen.

Im äußersten Fall Krieg

In den vergangenen Wochen hatten sowohl die USA wie auch der Iran demonstriert, dass sie im äußersten Fall zu einer militärischen Auseinandersetzung bereit sind. Weitere Eskalationen sind denkbar, auch wenn keine der beiden Seiten einen Krieg wirklich will. Der Iran ist durch die amerikanischen Sanktionen wirtschaftlich schwer getroffen und könnte sich versucht sehen, eine militärische Flucht nach vorne anzutreten. In den USA drängen Hardliner wie Trumps Sicherheitsberater John Bolton auf Militärschläge gegen Teheran, möglicherweise mit dem Ziel eines Regimewechsels.

Ein Konflikt würde sich wahrscheinlich rasch ausbreiten

Iranische Verbündete wie die Hisbollah im Libanon, die Huthi-Rebellen im Jemen oder pro-iranische Milizen im Irak und in Syrien könnten in ihren jeweiligen Gebieten losschlagen. Eine Verwicklung von Israel und Saudi-Arabien wäre wahrscheinlich – und damit ein regionaler Flächenbrand.

Allerdings ist ein Krieg nicht unvermeidlich. Zumindest theoretisch könnte die iranische Führung unter dem Druck der US-Sanktionen mit Hilfe von Vermittlern wie dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, der heute in Teheran erwartet wird, ihre Zustimmung zu amerikanischen Forderungen signalisieren. Trump will nicht nur die Entwicklung einer iranischen Atombombe verhindern, sondern auch das iranische Raketenprogramm beschneiden und die aggressive iranische Außenpolitik zähmen. Nur dann will Trump die Sanktionen wieder lockern.

Ein Kniefall vor Trump wäre das Ende der Regierung Ruhani

Allerdings ist unwahrscheinlich, dass die Iraner sich darauf einlassen. Ein Kniefall vor den Amerikanern wäre das sichere Ende der Regierung von Präsident Hassan Ruhani. Eine neue Führung in Teheran dürfte wesentlich weniger kompromissbereit sein als die Ruhani-Regierung.

Deshalb könnte es beiden Seiten in dem Konflikt am klügsten erscheinen, den Streit abkühlen zu lassen und auf Zeit zu spielen. Sowohl die iranische als auch die amerikanische Regierung haben trotz des Säbelrasselns am Golf ihre Bereitschaft zu Verhandlungen unterstrichen. Die Frage ist, wie solche Gespräche zustande kommen könnten und welche Themen behandelt würden.

Ali Vaez, Iran-Experte der International Crisis Group, sagte, er erwarte einen Vorschlag von Ministerpräsident Abe für ein Gipfeltreffen von Ruhani und Trump am Rande der UN-Vollversammlung in New York im September. Ein solches persönliches Treffen wäre einzigartig in der Geschichte der iranisch-amerikanischen Beziehungen seit der Revolution von 1979 und ganz nach dem Geschmack von Trump, der sich selbst als begabten Unterhändler betrachtet und auch schon zweimal mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un konferierte. Wie im Fall Nordkorea würde ein iranisch-amerikanischer Gipfel für sich allein wohl kaum Probleme lösen – könnte aber zum Abbau von Spannungen beitragen.

Trump kein kategorischer Iran-Feind wie Sicherheitsberater Bolton

Wenn Bolton immer seinen Willen bekommen hätte, würde er als Präsident schon vier Kriege führen, soll Trump kürzlich gesagt haben.

US-Pärsident Trump als Friedensengel am Golf? Auf den ersten Blick mag das eine absurde Vorstellung sein. Doch die persönliche Diplomatie auf Spitzenebene könnte der einzige Weg sein, um einen neuen Krieg im Nahen Osten zu verhindern.