Guter Rat ist ja bekanntlich teuer. In meinem Falle war er nicht nur günstig, sondern sogar kostenlos. Wenn der SPD-Generalsekretär und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Binder durch Steuergelder finanzierte Expertise bevorzugt, möge er das so fordern. Er wird jedoch feststellen müssen, daß wissenschaftlich qualifizierte Dialektologen in Baden-Württemberg nicht Schlange stehen. Ich habe durch mein unentgeltliches Engagement auf jeden Fall niemandem den Platz weggenommen. Herr Binders Behauptung, die Bemühungen des Ministerpräsidenten zum Erhalt der Dialekte Baden-Württembergs sei „lediglich familiär motiviert“, ist tolldreist und realitätsfern. Wäre die SPD der Einladung zur Dialekttagung im Neuen Schloß gefolgt, hätte sie sich von der Ernsthaftigkeit und leidenschaftlichen Hingabe aller Teilnehmer überzeugen können. Die Liebe zum Dialekt und die Sorge um dessen Weiterbestand sind die Triebfedern dieser Agenda. Da ich als freischaffender Texter arbeite und über keinerlei akademische Anstellung oder Verankerung, weder bezahlte noch unbezahlte, verfüge, ist Herr Binders Vorstellung, mich hier als Sprachwissenschaftler profilieren zu können, ebenso wirklichkeitsfremd. Es bleibt für die Sache zu hoffen, daß sich mehr badenwürttembergische Spitzenpolitiker auch inhaltlich und konstruktiv mit dem Thema des Dialekterhalts in ihrer Heimat auseinandersetzen. Dieser Wunsch richtet sich auch ausdrücklich an meinen schwäbischen Stammesbruder Sascha Binder. Mit seiner Anfrage hat er sich bisher lediglich als „Glufamichel“ profiliert. Das ist sein gutes Recht als Abgeordneter, muß aber nicht das Ende seines politischen Strebens in dieser Angelegenheit sein.

Johannes F. Kretschmann, geboren am 14. Juli 1978 in Ruit

Studium der Religionswissenschaft, Rumänistik und Linguistik in

Berlin, M.A.

Tätig als freischaffender Texter

Grüner Kreisrat im Kreistag Sigmaringen seit 2014