Wegen zweifelhafter Aufnahmerituale in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf sind Ermittlungen gegen mehrere Soldaten eingeleitet worden. Sieben Soldaten seien vom Dienst suspendiert worden, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Freitag in Berlin. „Spiegel online“ berichtete zuerst darüber. Laut dem Bericht gab es in der Kaserne in Pfullendorf unter anderem „sexuell-sadistische Praktiken“ sowie Gewaltrituale.

Eine Sprecherin des Ausbildungskommandos sagte, geprüft würden unter anderem sogenannte Aufnahmerituale unter Mannschaftsdienstsoldaten. Die Bundeswehr stellte Anzeige gegen mehrere Soldaten, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hechingen mitteilte. Bei den Anzeigen gehe es um den Verdacht auf Freiheitsberaubung und Nötigung. Die Bundeswehr habe die Fälle bereits intern untersucht, formelle Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gebe es derzeit aber noch nicht.

„Das wird noch geprüft“, sagte der Sprecher der Anklagebehörde. Es habe auch Versetzungen innerhalb und jenseits des Ausbildungszentrums gegeben, so die Sprecherin des Ausbildungskommandos. Ermittlungen liefen. Im vergangenen halben Jahr seien verschiedene Vorfälle bekannt geworden. „Viele Sachen sind dazuerfunden“, sagte die Sprecherin über den Artikel. Im Kern treffe allerdings doch zu, dass es sowohl bei den Mannschaftsdienstsoldaten als auch bei der Sanitätsausbildung Untersuchungen gebe.

„Zu Details können wir nichts sagen.“ So würden unter anderem noch Soldaten vernommen.
„Spiegel online“ berichtete, es gehe auch um Erniedrigungen von Rekruten sowie sexuelle Nötigung. Bei den Wachsoldaten geht es bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nach „Spiegel“-Informationen um den Verdacht der Freiheitsberaubung, gefährlichen Körperverletzung sowie um Gewaltdarstellungen und Nötigung.

Im Oktober 2016 habe sich ein weiblicher Leutnant aus dem Sanitätsbereich an den Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels (SPD) und direkt an die Ministerin gewandt. Die Frau habe beschrieben, dass sich Rekruten bei der Ausbildung vor den Kameraden nackt ausziehen mussten. „Vorgesetzte filmten mit, angeblich zu Ausbildungszwecken“, so „Spiegel online“. Die Rede ist auch von medizinisch unsinnigen, sexuell motivierten Übungen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die zweifelhaften „Aufnahmerituale“ scharf verurteilt. „Die Vorgänge in Pfullendorf sind abstoßend und sie sind widerwärtig“, sagte die Ministerin am Freitagabend bei einem Besuch einer Klausurtagung der CDU im osthessischen Künzell. Die Vorgänge seien auch beschämend für alle Soldaten, die respektvoll mit ihren Kameraden umgingen, und die das Ansehen der Truppe hochhielten.

Von der Leyen sagte: „Der Generalinspekteur hält mich auf dem Laufenden über den Fortgang der Untersuchungen. Es sind bereits Konsequenzen gezogen worden.“ Es würden auch noch weitere Konsequenzen gezogen. Die Vorgänge würden „mit aller Härte aufgeklärt“, versprach von der Leyen.

Bundeswehr-Generalinspekteur will Gewaltexzesse in Kaserne prüfen

 Der Skandal um Misshandlungen, Mobbing und sexuelle Nötigung ruft nun auch den ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr auf den Plan. Generalinspekteur Volker Wieker werde „in den nächsten Tagen“ in die Pfullendorfer Staufer-Kaserne im Landkreis Sigmaringen fahren, um sich die Vorgänge schildern zu lassen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Samstag zu einem Bericht des Südwestrundfunks (SWR).