Dieser Traum ist so alt wie die Menschheit: Wie wäre es, wenn jeder Mensch alles hat, was er zum Leben braucht, ohne dafür arbeiten zu müssen? Wenn er ein Existenzminimum geschenkt bekäme und über seine Zeit frei verfügen kann? Dann kann er immer noch freiwillig arbeiten, den Garten umgraben oder Musik hören. Die ersten Kapitel der Bibel erzählen diesen Traum in den schönsten Farben: Im Garten Eden herrscht Überfluss, die ersten Menschen müssen nicht arbeiten – bis sie ihr Schlaraffenland zerstören, indem sie einen Apfel zu viel essen.

Seitdem schwebt dieses Ideal durch die Geschichte der Menschheit. Vom Paradies ist heute nicht mehr die Rede, aber doch von einem Staat, der wie Vater und Mutter den Grundbedarf seiner Kinder (Bürger) abgedeckt. Unabhängig von Alter und Leistung würden sie vom Staat versorgt. Vor einigen Jahren entdeckte der Unternehmer Götz Werner diese Idee aufs Neue. Der Gründer der dm-Drogeriekette und Anthroposoph nennt es Bedingungsloses Grundeinkommen. Es könnte zum Beispiel 1000 Euro betragen und würde jedem Bürger monatlich ausbezahlt. Dafür erhält er keine andere soziale Stütze. Im Grundeinkommen wären sämtliche Staatsleistungen abgedeckt.

Bisher hat noch kein Staat dieses Bürgergeld eingeführt. Zu viele Fragen und Unwägbarkeiten knüpfen sich daran: Würde sich Arbeit und damit ein Zuverdienst noch lohnen? Und: Die lebenslange Leibrente müsste ja erst einmal erwirtschaftet werden.

Experiment auf Kuba

Von einer gleichen Gesellschaft mit gleichem Verdienst schwärmte bereits der Kommunismus. Im angestrebten Endzustand wären sämtliche Ungleichheiten begradigt. Die wichtigen Güter würden gemeinsam genutzt (communis: gemeinsam). Geistige Arbeit würde nicht besser bezahlt wie körperliche, ein Kellner soll gleichviel verdienen wie eine Professorin oder ein Fabrikdirektor. Der Schuss ging nach hinten los. Das sozialistische Kuba experimentierte zehn Jahre lang mit einem Einheitsgehalt für alle Werktätigen. 1973 wurde da Experiment eingestellt, die Wirtschaft lag darnieder. Es wurden erste Leistungsanreize geschaffen.

Götz Werner ist Milliardär. Das macht seinen Plan für viele Zeitgenossen interessant. Er wünscht sich das Grundeinkommen nicht als ideologische Größe. Werner will jedem Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Er soll nicht bei Ämtern betteln oder beantragen müssen, sondern hat einen natürlichen Anspruch an den Staat.

Die Umsetzung würde alte Verteilungsmechanismen auf den Kopf stellen. In Finnland wurde das Grundeinkommen modellhaft durchgespielt. 2017/2018 erhielten 2000 ausgewählte Arbeitslose je 560 Euro im Monat. Das Experiment wurde Ende 2018 eingestellt und nicht verlängert.