In Europa kommt es derzeit knüppeldick. US-Präsident Trump erklärt den Handelskrieg, in Italien regiert künftig eine obskure Truppe von Euroskeptikern, in Spanien stürzt Regierungschef Rajoy über ein Misstrauensvotum. Auf ihren Verbündeten in Madrid konnte sich die Kanzlerin stets verlassen, wenn bei EU-Gipfeln unpopuläre Abstimmungen auf dem Programm standen. Von Nachfolger Sanchez ist weniger Einsicht zu erwarten.

Die Schuld an seinem Scheitern trägt Rajoy zweifellos selbst. Wirtschaftlich hatte er zwar die richtigen Rezepte: Spanien hat einen harten Reformweg hinter sich, der sich inzwischen auszahlt. Doch dem Ministerpräsidenten mangelte es an politischem Gespür. Der Korruption in seiner Partei wurde er nicht Herr, zudem brachte er mit seinem zentralistischen Kurs Katalanen und Basken gegen sich auf. Jetzt kommt die Quittung. Sollten die Sozialisten nicht mehr Fortüne haben, läuft es auf Neuwahlen hinaus. Welches Risiko sie bergen, zeigt ein Seitenblick auf Italien.