Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies die Kritik der USA zurück und versuchte auch Trumps Dauerkritik wegen relativ niedriger deutscher Verteidigungsausgaben zu entkräften. Der US-Präsident legte mit seiner Kritik an den Nato-Partnern jedoch noch nach: Er forderte sie auf, ihre Verteidigungsausgaben zu verdoppeln. 

29 Staats- und Regierungschefs der Nato in Brüssel zu Gast

Die 29 Staats- und Regierungschefs der Nato waren am Mittag in Brüssel zu ihrem zweitägigen Gipfel zusammengekommen. In einer Erklärung wurde Mazedonien zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen eingeladen. "Die Tür der Nato ist und bleibt offen: Wir sind übereingekommen, die Regierung in Skopje einzuladen, Beitrittsgespräche zu beginnen", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Voraussetzung für die Einladung war die Beilegung des Streits zwischen den Regierungen in Skopje und Athen über den Namen Mazedoniens.

Im Hauptquartier der Militärallianz wollten die Mitglieder zudem Beschlüsse zu schneller einsetzbaren Militärverbänden, neuen Kommandozentralen und einer erweiterten Ausbildungsmission im Irak fassen. Trump hatte aber schon im Vorfeld klargemacht, dass er über die niedrigen Verteidigungsausgaben mehrerer europäischer Verbündeter sprechen wolle, insbesondere Deutschlands. 

"Deutschland wird vollkommen durch Russland kontrolliert"

Am Mittwoch wiederholte der US-Präsident seine schon im vergangenen Jahr gestellte Forderung, dass die Ausgaben auf vier Prozent der Wirtschaftsleistung erhöht werden sollten.

"Deutschland wird vollkommen durch Russland kontrolliert", sagte Trump vor dem Gipfel bei einem Frühstück mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg unter Verweis auf die Abhängigkeit von russischen Öl- und Gaslieferungen. "Sie zahlen Milliarden Dollar an Russland und dann müssen wir sie gegen Russland verteidigen." Er finde das deutsche Verhalten "sehr unangemessen", fuhr Trump fort, der sich über mehr als fünf Minuten in Rage redete. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Donald Trump, Präsident der USA, sprechen bei einem bilateralen Treffen am Rande des Nato-Gipfels.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Donald Trump, Präsident der USA, sprechen bei einem bilateralen Treffen am Rande des Nato-Gipfels. | Bild: Pablo Martinez Monsivais (AP)

Merkel reagierte bei ihrer Ankunft im Nato-Hauptquartier auf Trumps Tirade. Sie wolle "aus gegebenem Anlass" sagen, dass sie selbst erlebt habe, "dass ein Teil Deutschlands von der Sowjetunion kontrolliert wurde", sagte sie am Mittag. Nach der Wiedervereinigung könne die heutige Bundesrepublik aber ihre "eigenständige Politik machen" und "eigenständige Entscheidungen fällen".

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte in einem Interview mit dem US-Radiosender NPR, Trumps Zahlen zur Energieversorgung seien "einfach nicht korrekt". Die Aussagen des US-Präsidenten hätten "keine Substanz". Außenminister Heiko Maas sagte vor Journalisten in Brüssel: "Wir sind keine Gefangenen, weder von Russland, noch von den USA." Deutschland sei einer der Garanten der freien Welt "und das wird so bleiben".

Zu den Verteidigungsausgaben räumte Merkel ein, dass Deutschland diese nach dem Ende des Kalten Krieges reduziert habe "wie viele andere auch". Nun sei ihre Regierung aber bereit, die Beschlüsse des Nato-Gipfels von Wales von 2014 umzusetzen und sich bei den Verteidigungsausgaben "in Richtung zwei Prozent" der Wirtschaftsleistung zu bewegen.

Trump lobt Verhältnis zur Bundeskanzlerin

Nach dem indirekten Schlagabtausch äußerte sich Trump bei einem Treffen mit Merkel am Nachmittag positiv zu seinem Verhältnis zur Bundeskanzlerin. Der US-Präsident sprach von einer "sehr, sehr guten Beziehung" - auch wenn die Körpersprache beider dieser Aussage widersprach. Merkel sagte, sie freue sich, "dass wir dieses Gespräch haben können".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief die Nato-Mitglieder laut Elysée-Palast unterdessen dazu auf, das Bündnis "nicht zu schwächen". Macron warnte, dass eine Entzweiung der Nato die Mitgliedsstaaten letztendlich noch mehr kosten, würde.

Der Gipfel begann am Mittag mit einer Flaggenparade und dem Überflug von Kampfhubschraubern. Für den Abend war ein gemeinsames Essen der Staats- und Regierungschefs in einem Museum in Brüssel geplant. Am Donnerstag endet der Gipfel mit Treffen zu den Partnerstaaten Ukraine und Georgien und zum Einsatz in Afghanistan.