Sie weiß, wann es Zeit ist, zu gehen. Angela Merkel wäre mit ihrer Erfahrung auf dem europäischen Parkett sicher ein Gewinn gewesen. In der Runde der Staats- und Regierungschefs war sie eine respektierte Größe, schwor die oft zerstrittenen Staatenlenker auf eine gemeinsame Linie ein. In der Finanzkrise bewahrte sie einen kühlen Kopf, in der Flüchtlingskrise sorgte sie für hitzige Diskussionen.

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Nicht immer machte sie sich Freunde mit ihrer Haltung, doch gesprächsbereit war sie immer. Ihr Verhandlungsgeschick und ihr politisches Gespür wären nützliche Eigenschaften für das Amt der Ratspräsidentin, der Spitzenposten bei den Gipfeltreffen der Mitgliedstaaten, gewesen.

Keine besinnungslose Leidenschaft

Ihre Leidenschaft für Europa ist deshalb nicht weniger geworden. Doch Merkel mag auch hier abgewogen haben, dass ihr angekratztes Image in Brüssel mehr Schaden als Gewinn bringen könnte. Und die EU braucht im Moment alles, nur keine schlechte Publicity. Deshalb ist Merkels kategorisches Nein zu einem Amt in Brüssel gut so.