1. Januar 1973

Das Vereinigte Königreich tritt der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bei, dem Vorläufer der heutigen Europäischen Union. Den Titel der Vereinigung nehmen sie dabei ernst: Britische Politiker haben beinahe ausschließlich mit wirtschaftlichen Vorteilen für den Beitritt geworben. Tatsächlich sind die Regeln des Binnenmarktes zu diesem Zeitpunkt aber schon ausgehandelt, so dass längst nicht alle Wünsche des Königreichs in Erfüllung gehen. In den Krisenjahren der 1970er Jahre bleiben die wirtschaftlichen Vorteilen hinter den Erwartungen der Briten zurück.

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Unterzeichnung der Römischen Verträge: Bei der Gründung der EWG im Jahre 1957 ist das Vereinigte Königreich noch nicht dabei. Erst 1973 gehören auch die Briten dazu.
Unterzeichnung der Römischen Verträge: Bei der Gründung der EWG im Jahre 1957 ist das Vereinigte Königreich noch nicht dabei. Erst 1973 gehören auch die Briten dazu. | Bild: fotomil/dpa

23. Januar 2013

In London stellt Premierminister David Cameron in einer Rede zur Europapolitik eine Volksabstimmung über den Verbleib in der EU in Aussicht. Diese solle im Falle einer Wiederwahl seiner Partei in die Regierung spätestens 2017 stattfinden, verspricht Cameron. Gleichzeitig möchte er in der Zwischenzeit das Verhältnis seines Landes zur Union neu verhandeln und seine europäischen Partner zu weitreichenden Zugeständnissen zwingen. Die EU müsse sich grundlegend verändern, meint der Premierminister. Das Bündnis müsse flexibler, wettbewerbsfähiger und demokratischer werden.

Sein Wahlversprechen soll ihm später zum Verhängnis werden: David Cameron bringt das Brexit-Referendum auf den Weg.
Sein Wahlversprechen soll ihm später zum Verhängnis werden: David Cameron bringt das Brexit-Referendum auf den Weg. | Bild: Facundo Arrizabalaga/dpa

7. Mai 2015

Mit rund 37 Prozent der Stimmen gewinnt die Konservative Partei 331 der 650 Sitze im britischen Unterhaus. David Camerons Regierung ist fortan nicht mehr auf einen Koalitionspartner angewiesen, sondern kann mit absoluter Mehrheit die Geschicke des Landes führen. Nun muss der wiedergewählte Premier liefern: Schon am nächsten Morgen kündigt er an, sein Wahlversprechen eines Brexit-Referendums wahr zu machen.

Viele britische Wähler geben den Tories unter David Cameron ihre Stimme. Nun muss er sein Wahlversprechen einhalten.
Viele britische Wähler geben den Tories unter David Cameron ihre Stimme. Nun muss er sein Wahlversprechen einhalten. | Bild: Robert Perry/dpa

20. Februar 2016

Am Abend des 19. Februars einigen sich die europäischen Regierungschefs nach zweitägigen, zähen Verhandlungen auf Sonderrechte für London. Zukünftig darf die britische Regierung unter anderem EU-Migranten zeitweise Sozialleistungen verweigern. Doch es hilft nichts. Nach einer Sondersitzung des britischen Kabinetts kündigt Cameron am Tag darauf ein Referendum über den Verbleib in der EU für den 23. Juni an. Zugleich erklärt er, dass er für den Verbleib in der Union werben werde, da ein Austritt ein "Schritt ins Dunkle" wäre.

Der Termin steht fest: Am 23. Juni wird in den Wahllokalen über den Verbleib in der EU abgestimmt.
Der Termin steht fest: Am 23. Juni wird in den Wahllokalen über den Verbleib in der EU abgestimmt. | Bild: Michael Kappeler/dpa

23. Juni 2016

Der Tag der Entscheidung ist gekommen: Nach einem erbitterten Wahlkampf stimmen die Briten mit einer knappen Mehrheit von 51,9 Prozent für den Austritt aus der europäischen Gemeinschaft. Die Wahlbeteiligung liegt bei 72 Prozent. 17,4 Millionen Brexit-Befürworter setzten sich gegen 16,1 Millionen EU-Freunde durch. Insbesondere das Thema Zuwanderung und der vermeintliche Verlust nationaler Souveränität haben den Gegnern des Bündnisses in Hände gespielt. Das Ergebnis stürzt die Union in eine historische Krise und beschert ihr eine Aufgabe, für die es kein Vorbild gibt, denn noch nie zuvor hat ein Mitgliedsstaat die Gemeinschaft verlassen. Darauf reagieren auch die Finanzmärkte: Das Pfund Sterling fällt auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren.

Bild: AFP

24. Juni 2016

Einen Tag nach dem Referendum kündigt Premierminister David Cameron seinen Rücktritt bis Oktober an. Er war für den Verbleib in der EU eingetreten, nun zieht er seine persönliche Konsequenz. Die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens soll erst sein Nachfolger führen. Gleichzeitig machen die EU-Gründerstaaten Druck auf London. Sie wollen die Verhandlungen so schnell wie möglich beginnen und befürchten, dass die britische Regierung nur auf Zeit spielt. Zugleich rumort es im Königreich: Mehr als 1,5 Millionen Bürger fordern per Petition angesichts des knappen Ausgangs ein zweites Referendum. Schottland strebt eine Volksabstimmung zur Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich an. Hier hatte – genau wie in Nordirland – eine deutliche Mehrheit für den Verbleib in der EU gestimmt.

Er hat das Referendum auf den Weg gebracht, nun muss er gehen: Premier David Cameron erklärt nach dem Votum für den Brexit seinen Rücktritt.
Er hat das Referendum auf den Weg gebracht, nun muss er gehen: Premier David Cameron erklärt nach dem Votum für den Brexit seinen Rücktritt. | Bild: Facundo Arrizabalaga/dpa

13. Juli 2016

Sie soll es richten: Theresa May, Innenministerin unter Cameron, wird zur neuen Premierministerin ernannt. Damit ist sie nach Margot Thatcher die zweite Frau in diesem Amt. Bereits zwei Tage zuvor hat sie den Vorsitz der Konservativen Partei von Cameron übernommen. Vor dem Brexit-Votum hatte sie sich für den Verbleib in der EU ausgesprochen, wenn auch erst recht spät. Nun will sie ihre zerstrittene Partei einen und die "brennenden Ungerechtigkeiten" im eigenen Land bekämpfen. Ihre Hauptaufgabe besteht fortan jedoch darin, das Königreich aus der europäischen Gemeinschaft zu führen. Hierfür besetzt sie noch am selben Abend wichtige Posten ihres Kabinetts neu und ernennt mit Boris Johnson überraschend den wichtigsten Brexit-Befürworter zum Außenminister.

Vom Innenministerium in die Downing Street: Die neue Premierministerin Theresa May präsentiert sich mit Mann Philip vor ihrem neuen Regierungssitz.
Vom Innenministerium in die Downing Street: Die neue Premierministerin Theresa May präsentiert sich mit Mann Philip vor ihrem neuen Regierungssitz. | Bild: Andy Rain/dpa

8. Februar 2017

Insgesamt fünf Tage hat man im britischen Unterhaus über den Brexit-Gesetzesentwurf von Theresa May debattiert. Als einziges Zugeständnis kündigt die Regierung an, das Parlament werde am Ende der zweijährigen Verhandlungen mit der EU über das ausgehandelte Abkommen abstimmen können. Dennoch wird der Entwurf mit 494 zu 122 Stimmen von einer überragenden Mehrheit der Abgeordneten angenommen. Auch das Oberhaus gibt dem Papier nach kurzem Widerstand seinen Zuspruch.

Während die Abgeordneten im britischen Unterhaus dem Brexit-Gesetzesentwurf mit großer Mehrheit zustimmen, protestieren Gegner des Ausstiegs vor dem Parlamentsgebäude.
Während die Abgeordneten im britischen Unterhaus dem Brexit-Gesetzesentwurf mit großer Mehrheit zustimmen, protestieren Gegner des Ausstiegs vor dem Parlamentsgebäude. | Bild: Tom Nicholson/dpa

29. März 2017

Tim Barrow, Ständiger Vertreter Großbritanniens bei der EU, überreicht EU-Ratspräsident Donald Tusk in Brüssel die offizielle EU-Austrittserklärung und gibt damit den Startschuss für die Brexit-Verhandlungen. In einem BBC-Interview schließt Theresa May eine einmalige Zahlung als Teil des Abkommens an die EU nicht aus, macht zugleich aber deutlich, dass ihr Land nicht bereit sei, auch in Zukunft erhebliche jährliche Beiträge in den EU-Haushalt zu überweisen.

Jetzt ist es offiziell: Mit der Übergabe der offiziellen EU-Austrittserklärung ab Ratspräsident Tusk beginnen die Verhandlungen um ein Abkommen.
Jetzt ist es offiziell: Mit der Übergabe der offiziellen EU-Austrittserklärung ab Ratspräsident Tusk beginnen die Verhandlungen um ein Abkommen. | Bild: Victoria Jones/dpa

8. Juni 2017

Das hat sich Theresa May anders vorgestellt. Als sie sich im April für vorgezogene Neuwahlen aussprach, hatte sie ein Ziel – ihre Mehrheit im Parlament zu stärken und sich so Rückendeckung für die Brexit-Verhandlungen zu verschaffen. Denn ihre Pläne zum Austritt aus der EU, die keine größeren Zugeständnisse an das Bündnis vorsehen, sind stark umstritten. Doch der Plan geht nach hinten los: Statt ihren Sitzanteil auszubauen, verliert die Konservative Partei die absolute Mehrheit. Jeremy Corbin, Vorsitzender der oppositionellen Labour-Partei, die für einen weicheren Brexit eintritt, fordert die Premierministerin angesichts ihrer Wahlschlappe zum Rücktritt auf. Sie bleibt und bildet mit Unterstützung der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) eine Minderheitsregierung.

Bild: DPA

19. Juni 2017

Versöhnliche Worte, aber keine inhaltlichen Fortschritte – das ist das Ergebnis das ersten Tags der Brexit-Verhandlungen in Brüssel. Die erste Runde solle vor allem Vertrauen zwischen EU-Unterhändler Michel Barnier und Brexit-Minister David Davis aufbauen, heißt es danach. Die Gespräche, die sich als äußerst kompliziert und zäh erweisen, werden vor allem durch die Nordirland-Frage und die zukünftigen Regelungen im Handel bestimmt. Die EU möchte dem Königreich "Rosinenpickerei" auf gar keinen Fall erlauben. Die Briten möchten weiterhin freien Handel mit den europäischen Staaten betreiben, den freien Zuzug von EU-Bürgern auf die Insel jedoch beenden.

Die Brexit-Verhandlungen entwickeln sich zu einem langwierigen und komplizierten Prozess.
Die Brexit-Verhandlungen entwickeln sich zu einem langwierigen und komplizierten Prozess. | Bild: Laurent Dubrule/dpa

14. November 2018

Nach einer fünfstündigen Kabinettssitzung kann Theresa May es endlich verkünden: Die britische Regierung hat dem Entwurf des Brexit-Abkommens zugestimmt. Die Premierministerin hält es für das bestmögliche Abkommen, das man habe aushandeln können. Dabei ist insbesondere die Regelung bezüglich der nordirischen Grenze stark umstritten. Auch Michel Barnier, Brexit-Chefunterhändler der EU, bezeichnet die Zustimmung des britischen Kabinetts als "entscheidende Etappe", die nun erreicht sei. Doch auf May kommt nun die nächste große Herausforderung zu: Sie muss das Unterhaus von ihrem Abkommen überzeugen, denn dort formiert sich Widerstand von allen Seiten. Mit dem Deal scheinen weder die Brexit-Hardliner noch die Gegner des Austritts einverstanden zu sein.

Michel Barnier, Brexit-Chefunterhändler der Europäischen Union, hält einen Entwurf des Austrittsabkommens, das im britischen Parlament starken Widerstand hervorruft.
Michel Barnier, Brexit-Chefunterhändler der Europäischen Union, hält einen Entwurf des Austrittsabkommens, das im britischen Parlament starken Widerstand hervorruft. | Bild: Virginia Mayo/dpa

16. November 2018

Mit Stephen Barclay übernimmt ein eher unscheinbarer Abgeordnete das Amt des Brexit-Ministers. Der frühere Staatssekretär im Gesundheitsministerium folgt damit Dominic Raab nach, der im Streit um das Abkommen von seinem Posten zurücktrat. Seit der Einführung des Ministeriums im Juli 2016 ist Barclay bereits der dritte Amtsinhaber.

Erst Davis, dann Raab und jetzt Barclay: Seit der Einführung des Postens im Juli 2016 kommt mit Stephen Barclay bereits der dritte Brexit-Minister ins Amt.
Erst Davis, dann Raab und jetzt Barclay: Seit der Einführung des Postens im Juli 2016 kommt mit Stephen Barclay bereits der dritte Brexit-Minister ins Amt. | Bild: Kirsty O'connor/dpa

25. November 2018

Die Regierungschefs der verbleibenden 27 EU-Mitgliedstaaten stimmen dem Brexit-Paket zu. Damit steht nur noch die Annahme des Abkommens durch das britische Unterhaus aus. In einem ungewöhnlich emotionalen Brief wendet sich Premierministerin May mit der Bitte an die britischen Bürger, den EU-Austritt zu unterstützen.

Ihr steht die größte Hürde noch bevor: Theresa May muss die Abgeordneten im Unterhaus von ihrem Brexit-Abkommen überzeugen.
Ihr steht die größte Hürde noch bevor: Theresa May muss die Abgeordneten im Unterhaus von ihrem Brexit-Abkommen überzeugen. | Bild: ALASTAIR GRANT/dpa

10. Dezember 2018

Am Vortag der Abstimmung im Unterhaus zieht Theresa May die Notbremse und sagt die Wahl fürs Erste ab. Zu groß ist die Gefahr, dass sie mit ihrem Deal bei den Parlamentariern scheitern wird. Nun will sie mit ihren europäischen Amtskollegen und den Spitzen der Europäischen Union nachverhandeln. Gleichzeitig werden die Forderungen nach einem zweiten Brexit-Referendum immer lauter.

Einen Tag vor der geplanten Abstimmung über die Annahme des Brexit-Abkommens im Unterhaus sagt die britische Regierung die Wahl vorerst ab.
Einen Tag vor der geplanten Abstimmung über die Annahme des Brexit-Abkommens im Unterhaus sagt die britische Regierung die Wahl vorerst ab. | Bild: Jonathan Brady/dpa

12. Dezember 2018

Theresa May übersteht das Misstrauensvotum ihrer eigenen Fraktion, doch 117 der 317 Abgeordneten entziehen ihr dabei das Vertrauen. So steht sie weiter unter großem Druck, denn die Brexit-Hardliner in den eigenen Reihen wird sie auch zukünftig nicht befrieden können, wie Experten vermuten: Ihre Stimmen werden ihr auch bei der nächsten Abstimmung fehlen.

Zunehmend unter Druck: Für Theresa May ist der Kampf nach dem Misstrauensvotum noch lange nicht vorbei.
Zunehmend unter Druck: Für Theresa May ist der Kampf nach dem Misstrauensvotum noch lange nicht vorbei. | Bild: Uk Parliament/dpa

15. Januar 2019

Der 15. Januar wird für Premierministerin May zum Schicksalstag. Nach eineinhalb Jahren Verhandlungen mit der Europäischen Union liegt die Entscheidung über den Brexit-Vertrag beim britischen Unterhaus. Schon im Vorfeld gibt es kaum Zweifel daran, dass May mit ihrem Deal an den Abgeordneten scheitern wird. Das Ergebnis ist dennoch eine schwere Niederlage: 432 Parlamentarier votieren gegen das Abkommen, lediglich 202 unterstützen die Regierungschefin.

Eine Abfuhr dieses Ausmaßes musste eine britische Regierung seit den 1920er Jahren nicht mehr einstecken. Oppositionsführer Jeremy Corbyn stellt prompt einen Misstrauensantrag gegen die Regierung, das für den folgenden Tag angesetzt wird. Theresa May hält der massiven Kritik vorerst stand und kündigt trotz Misstrauensvotums an, in wenigen Tagen ihren Plan B vorzustellen. Wie es nach dem Scheitern des Vertrages weitergeht, ist völlig offen. Verschiedene Szenarien sind denkbar, darunter auch ein sogenannter harter Brexit ohne Abkommen mit der EU.

Schwere Niederlage: Theresa May scheitert mit ihrem Brexit-Deal bei der Abstimmung im britischen Unterhaus.
Schwere Niederlage: Theresa May scheitert mit ihrem Brexit-Deal bei der Abstimmung im britischen Unterhaus. | Bild: Frank Augstein/dpa