US-Präsident Donald Trump sorgt mit einem öffentlichen Rückzieher für Aufregung: Nach nicht enden wollender, parteiübergreifender Kritik, einem verheerenden Medienecho, Druck aus der eigenen Partei und guten Ratschlägen von Unterstützern korrigierte Trump eine besonders strittige Aussage, die er während der Pressekonferenz mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin am Montag in Helsinki gemacht hatte.

Der zentrale Streitpunkt: Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, sich in die Präsidentenwahl vom November 2016 eingemischt zu haben, Putin bestritt das am Montag in Helsinki vehement. Trump stellte Putin daraufhin nicht zur Rede, sondern sagte: „Ich sehen keinen Grund„ warum es (Russland) wäre.“

Er habe sich bei der Gipfel-Pressekonferenz mit Kremlchef Wladimir Putin schlichtweg einen Versprecher geleistet, sagt US-Präsident Donald Trump. Eigentlich habe er sagen wollen: „Ich sehe keinen Grund, warum es nicht Russland sein sollte.“ Das „nicht“ habe er dann versehentlich weggelassen. Wie glaubhaft ist diese Erklärung? Vier Punkte sprechen gegen Trumps Glaubwürdigkeit.

1. Das Timing

Der US-Präsident brauchte 28 Stunden, um öffentlich den vermeintlichen Versprecher einzugestehen. Statt einer schnellen Reaktion auf die Kritiken hatte er zunächst trotzig diese auf Twitter als „Fake News“ bezeichnet. Wie Insider aus dem Weißen Haus jetzt US-Medien steckten, sollen nach dem Helsinki-Fiasko mehrere führende Mitarbeiter und auch Kabinettsmitglieder ihren Rücktritt für den Fall in Aussicht gestellt haben, dass der Präsident nicht zurückrudere. Eine Richtigstellung schon Stunden später hätte diese Personalkrise verhindert. Doch Trump habe stattdessen den Dienstag weitgehend damit verbracht, Wort zu Wort seine Aussagen durchzugehen und einen Weg zu finden, seinen Putin-Schmusekurs zu relativieren. Am Ende sei dann nur die „Versprecher“-Variante geblieben.

2. Der Kontext

Wenn es sich in Helsinki um einen puren Versprecher gehandelt hatte – warum erwähnte dann Trump im gleichen Atemzug, dass das Dementi Putins in Sachen Wahlbeeinflussung „extrem stark und kraftvoll“ gewesen sei? Diese Aussage macht viel mehr Sinn, wenn sie im Zusammenhang mit der Original-Bemerkung Trumps gesehen wird. Zudem hatte es sich der US-Präsident geleistet, das FBI und die US-Justiz bei dem Auftritt zu kritisieren. Das alles spricht gegen eine klare Schuldzuweisung in Richtung Moskau.

3. Die Relativierung

Beim Ablesen seiner Erklärung, die die Wogen glätten sollte, stellte er auch gleich wieder in typischer Trump-Manier seinen Korrekturversuch und die Schuld des Kreml in Frage. „Es könnten auch andere Leute sein. Es gibt jede Menge andere Leute da draußen“, hatte Trump, von seinen gedruckten Bemerkungen abweichend, gesagt. Sprich: Neben Russland kämen auch andere Übeltäter in Frage. Wen er damit ebenfalls als potenziellen Urheber einer Wahl-Beeinflussung sieht, ob er da eventuell – rein theoretisch – an Liechtenstein, Monaco, Mauritius oder sogar Deutschland denkt – das ließ der US-Präsident offen.

4. Die Vergangenheit

Schon beim Großbritannien-Besuch in der vergangenen Woche hatte der der Wahrheit nicht allzu sehr verbundene US-Präsident zu dementieren versucht, was nicht dementiert werden kann. Trump hatte in einem Zeitungsinterview mit der britischen „Sun“ die „Brexit“-Strategie von Theresa May und die Handelsstrategien der Premierministerin scharf kritisiert, was in London als massiver Affront empfunden wurde. Das Blatt nahm die Aussagen auch auf Tonband auf. Bei einer Pressekonferenz mit May behauptete Trump dann mit außergewöhnlicher Chuzpe, die gedruckten Interviewaussagen und die May-Kritik seien „Fake News“ – und dass die Tonbandaufnahmen dies stützen würden. Die „Sun“ stellte dann den Originalton ins Netz und überführte den US-Präsidenten öffentlich der Lüge.

Mit Material von dpa