In Sonntagsreden predigen Politiker, dass Deutschland erstklassig qualifizierte Menschen braucht, um unseren Wohlstand langfristig zu sichern. Aufgrund des demografischen Wandels werden die Senioren mehr, die Erwerbspersonen weniger. Weil weniger Erwerbstätige immer mehr Rentner und Pensionäre mit ihren Sozialbeiträgen und Steuern mitfinanzieren müssen, sollten die Arbeitnehmer auch gute Einkommen erzielen. Ohne hohe Bildungsabschlüsse und sehr gute Berufsqualifikationen ist das kaum möglich.

Als vor drei Jahren fast eine Million Migranten über den Asylpfad nach Deutschland drängten, tönte es anfangs aus Politik und Wirtschaft: Mit den jungen Zuwanderern lassen sich die demografischen Probleme unseres Landes lösen. Doch statt qualifizierter Arbeitskräfte kamen überwiegend Armutsflüchtlinge, die oft nicht einmal in ihrer Muttersprache lesen und schreiben konnten. Statt sich über ihre Arbeitsleistung wenigstens selbst versorgen zu können, verursachen sie hohe Zusatzkosten für unseren Sozialstaat. Deshalb reden Kritiker nicht grundlos von der Einwanderung ins deutsche Sozialsystem.

Türöffner Asylrecht

Während jährlich Zehntausende erstklassig ausgebildeter Hochschulabsolventen Deutschland verlassen, lässt die deutsche Migrationspolitik sehenden Auges zu, dass kaum bis wenig qualifizierte Menschen unter Inanspruchnahme des Türöffners Asylrecht einwandern. Dabei sind die Erfahrungen mit Migration und Integration von Zuwanderern in Deutschland seit Jahrzehnten alles andere als rosig. Vor wenigen Wochen erschien das Statistische Jahrbuch 2018, das im Kapitel 2 die Bildungs- und Einkommenslage von Inländern und Menschen mit Migrationshintergrund auflistet. Diese alarmierenden Zahlen belegen, welches Armutsrisiko in dieser fatalen Zuwanderungspolitik steckt, die mit der mangelnden Integration der Gastarbeiterkohorten und ihrer Kinder- und Enkelgeneration vor 60 Jahren begonnen hat.

Die deprimierendsten Fakten

Ich liste hier einmal die für mich deprimierendsten Fakten kurz auf. Knapp mehr als 19 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund lebten 2017 in Deutschland. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 23,6 Prozent. Schaut man sich die Zahlen für die Bildungsabschlüsse an, dann liegen Migranten bei Haupt- und Realschulabschlüssen bis zur Fachhochschulreife deutlich unter ihrem Bevölkerungsanteil. Von 2,8 Millionen Menschen ohne Schulabschluss haben fast 2 Millionen oder knapp 70 Prozent einen Migrationshintergrund. Von 11,7 Millionen Menschen ohne qualifizierenden Berufsabschluss sind nicht weniger als 5 Millionen oder 43 Prozent Migranten.

Es braucht nicht viel Phantasie, um sich die Höhe der Arbeitseinkommen auszumalen, die Menschen mit diesen Qualifikationsmerkmalen erzielen können. Folglich ist die Migrantenquote unter den Geringstverdienern auch entsprechend hoch. 30,6 Prozent aller Arbeitslosengeld I-Empfänger in Deutschland stammten 2017 aus der Personengruppe mit Migrationshintergrund. Im Hartz IV-Bezug liegt ihr Anteil an allen Empfängern sogar bei knapp 50 Prozent. Diese Migrations- und Integrationspolitik schadet Deutschland und untergräbt auf Dauer unseren Wohlstand.

Der Verfasser war bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestags. Heute lebt er als freier Autor in Ravensburg.