Seit Jahren rufen die EU-Staaten nach einem verstärkten Grenzschutz. Mindestens ebenso lange versprechen sie den Menschen in ihren Ländern, die anlandenden Flüchtlinge an den Grenzen besser zu kontrollieren. Als die Brüsseler EU-Kommission daraufhin den Ausbau ihrer Grenzschutzagentur Frontex auf 10 000 Beamte vorschlug, gab es viel Lob. Nun zerpflückten die Mitgliedstaaten – darunter auch Deutschland und ausgerechnet der CSU-Innenminister, der am lautesten Kontrollen an den Grenzen gefordert hatte – eben diesen Vorschlag und schieben ihn auf Jahre hinaus. Dabei belegt die Situation in den Auffangzentren, dass die Behörden der betroffenen Länder weiter völlig überfordert sind und manchen Regierungen offenbar viel daran liegt, sich nicht von ausländischen Beobachtern auf die Finger schauen zu lassen. Man sollte sich nichts vormachen: Der Umgang mit den richtigen Vorschlägen der Kommission entlarvt die Doppelzüngigkeit vieler Vertreter der Mitgliedstaaten.