Es gab einmal eine Zeit, da war die Reputation von Rudolph Giuliani makellos. Das gilt etwa für seine Ära als Bürgermeister von New York, als er von 1994 bis 2001 im „Big Apple“ mit harter Hand gegen die Kriminalität vorging. Oder für den 11. September 2001, als er mit Mundschutz durch das noch rauchende „Ground Zero„-Trümmerfeld stapfte. Und seinen Mitbürgern und ganz Amerika in dieser dunklen Stunde Mut zusprach.

Ständiges Sprachrohr

Doch diese Glanzpunkte im Leben des heute 75jährigen Anwalts liegen lange zurück. Jetzt berichtete die „New York Times„, dass die Bundes-Staatsanwaltschaft gegen Giuliani wegen möglicher Verstöße gegen Lobbyistengesetze im Zusammenhang mit der Ukraine-Affäre und der überraschenden Entlassung der Botschafterin Marie Yovanovitch durch Präsident Donald Trump im Mai diesen Jahres ermitteln würde. Am Tag zuvor waren zwei Klienten von Giulianis Anwaltskanzlei unter dem Verdacht verhaftet worden, gegen Parteispendengesetze verstoßen zu haben.

„Ich weiß es nicht“

Das sind Entwicklungen, die dem Weißen Haus überhaupt nicht ins Konzept passen. Und so antwortete Trump auf die Frage eines Reporters, ob denn Giuliani noch sein Anwalt sei: „Ich weiß es nicht“. Das klingt ungefähr so, als würde der Präsident nicht mehr wissen, ob er mit der First Lady verheiratet ist. Denn Giuliani war zuletzt das ständige Sprachrohr des Präsidenten.

Baldige Festnahme?

Nicht wenige in Washington rechnen damit, dass Giuliani bald festgenommen und angeklagt werden könnte. Ein Schicksal, das auch Trumps früheren Anwalt Michael Cohen ereilt hatte, der ebenfalls als „Mann fürs Grobe“ diente. Cohen sitzt derzeit eine dreijährige Gefängnisstrafe für Verbrechen wie Falschaussagen gegenüber dem Kongress ab. Zunächst hatte Trump Cohen noch verteidigt. Dass der Präsident dies auf Twitter nur auch bei Giuliani tat, passt zum Stil des Präsidenten, Untersuchungen gegen seine wichtigsten Helfer erstmal als politisch motiviert zu sehen.

„Ein großartiger Kerl“

Nun seien sie hinter dem größten Bürgermeister in der Geschichte New Yorks her, schrieb Trump. Und lamentierte: „Er mag manchmal als etwas rauh erscheinen, aber ist ein großartiger Kerl und wunderbarer Anwalt. So eine einseitige Hexenjagd, die hier geschieht.“

Als Speerspitze in der Ukraine

Was er nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass Giuliani als Speerspitze in der Ukraine für Trumps Bemühungen agierte, Untersuchungen gegen seinen Demokraten-Rivalen Joe Biden und dessen Sohn Hunter in Gang zu bringen. Hunter Biden war es gelungen, bei der ukrainischen Gasfirma Burisman einen mit 50 000 Dollar monatlich dotierten Job zu erhalten, während sein Vater als Vizepräsident im Auftrag von Barack Obama mit der Ukraine eine Reaktion auf die russischen Aggressionen auf der Krim koordinieren sollte. Weil die Ukraine offenbar in der Burisma-Sache nicht genug Druck machte, wurde Giuliani aktiv. Ob seine Bemühungen, für Trump von Kiew negative Informationen über die Bidens zu erhalten, gegen US-Gesetze verstoßen haben – das werden in Kürze wohl Staatsanwälte entscheiden.