Endlich! Ein Jahr saß der Journalist Deniz Yücel in Haft. Eine Geisel des türkischen Präsidenten, der, von Allmacht-Phantasien geplagt, bereit ist, über Leichen zu gehen. Dass Yücel den Gefängnismauern entkommen konnte, ist daher leider auch kein Beleg dafür, dass die Türkei zurück auf dem Weg der Rechtstaatlichkeit ist. Politisches und wirtschaftliches Kalkül haben dazu geführt, dass das Gericht den Gefangenen laufen ließ.

Schon seit Wochen versucht Ankara, alte Freundschaften aufzuwärmen. Kann es Zufall sein, dass die Freilassung von Yücel einen Tag nach dem Besuch von Ministerpräsident Yildirim bei Merkel erfolgt? Für die Unabhängigkeit der Justiz spricht diese Entwicklung jedenfalls nicht. Es ist zu hoffen, dass es zumindest kein Gegengeschäft gibt – Außenminister Gabriel versichert es, Zweifel bleiben. Immerhin hatten gestern ein halbes Dutzend Journalisten weniger Glück als Yücel. Doch Menschenrechte gelten für alle, nicht nur für diejenigen, die einen deutschen Pass haben.