Für Vertreter der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hält das Schaufahren gegen den Klimaschutz unvermindert an. Zu diesem Ergebnis kommt der Umweltverein aus Radolfzell in der diesjährigen Analyse zum Schadstoffausstoß von Dienstwagen deutscher Spitzenpolitiker.

Besonders beachtlich: Zum ersten Mal hat die DUH die realen CO2-Emissionen zur Bewertung herangezogen. Das Ergebnis: Kein Politiker-Dienstwagen hält den EU-Grenzwert auf der Straße ein.

Das Schild der Deutschen Umwelthilfe (DUH) an der Berliner Niederlassung.
Das Schild der Deutschen Umwelthilfe (DUH) an der Berliner Niederlassung. | Bild: Miguel Villagran

Schmutzigste Dienstwagen im Bund

Der letzte Platz: Den belegt Justiz- und Verbraucherministerin Katarina Barley von der SPD. Sie ist im Bundeskabinett mit dem verbrauchs- und CO2-stärksten Dienstwagen unterwegs. Der Untersuchung der DUH zufolge wird Barley in einer Diesel-Limousine mit einem „realen CO2-Ausstoß“ von 235 Gramm je Kilometer (g/km) chauffiert.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD)
Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) | Bild: Kay Nietfeld

Der zweitschlechteste Platz: Kurz hinter dem Fahrzeug der Sozialdemokratin folgt das Auto von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Laut der Analyse sind es bei bei seinem Dienstwagen 229 g/km.

Ein Audi des Typs A8 benutzt Justizministerin Katarina Barley (SPD) als Dienstfahrzeug.
Ein Audi des Typs A8 benutzt Justizministerin Katarina Barley (SPD) als Dienstfahrzeug. | Bild: Uli Deck

Der drittschlechteste Platz: Diesen Rang teilt sich Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit Agrarministerin Julia Klöckner (CDU). Auf ihren Dienstfahrten stoßen ihre Autos 224 g/km aus.

Klimafreundliche Dienstwagen im Bund

Der erste Platz: Vergleichsweise klimafreundlich fährt an erster Stelle die Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) mit 193 g/km.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU)
Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) | Bild: Carsten Koall

Der zweite Platz: Dicht gefolgt wird sie dabei von der Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Wenn sie Dienstfahrten unternimmt, liegt die Schadstoffbelastung bei 200 g/km.

Der dritte Platz: Knapp dahinter auf dem dritten Platz ist Arbeitsminister Hubertus Heil: Sein Dienstwagen stößt laut dem Vergleich 207 g/km aus.

Schmutzigste Dienstwagen auf Landesebene

Der letzte Platz: Die Umweltorganisation schloss auch die Landesregierungen in ihre Analyse ein. Dabei steht das verbrauchs- und CO2-stärkste Dienstauto am Roten Rathaus in Berlin. Der Benziner des Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), kommt auf eine Realemission von 408 g/km.

Das könnte Sie auch interessieren

Der zweitschlechteste Platz: Es folgen die CDU-Ministerpräsidenten Armin Laschet aus NRW und Volker Bouffier aus Hessen (je 376 g/km).

Der drittschlechteste Platz: Diese Platzierung geht an den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke). Sein Diesel-Fahrzeug stößt bei Dienstfahrten 247 g/km aus.

Klimafreundliche Dienstwagen auf Landesebene

Der erste Platz: Den bekommt Bremens Bürgermeister Carsten Sieling von der SPD. Er schnitt unter den Länderchefs am besten ab: Sein Benzin-Hybrid, der teils elektrisch fährt, bläst 171 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer aus dem Auspuff.

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD)
Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) | Bild: Mohssen Assanimoghaddam

Der zweite Platz: Auf diesem landet auch ein Regierender Bürgermeister, nämlich Hamburgs Peter Tschentscher (SPD). Sein Dienstauto stößt 198 g/km aus, so der Vergleich der DUH.

Ein Mercedes Benz des Typs E 350e benutzt Bremens Regierender Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) als Dienstfahrzeug. Auf dem Bild ist der Mercedes-Benz E 350-CGI auf einer Präsentation zu sehen.
Ein Mercedes Benz des Typs E 350e benutzt Bremens Regierender Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) als Dienstfahrzeug. Auf dem Bild ist der Mercedes-Benz E 350-CGI auf einer Präsentation zu sehen. | Bild: Marijan Murat

Der dritte Platz: Der Drittplatzierte ist Ministerpräsident Tobias Hans aus dem Saarland. Wenn er mit seinem Dienstauto unterwegs ist, beträgt der Schadstoffausstoß 200 g/km.

Die Dienstwagen der Landeschefs aus Baden-Württemberg und Bayern

Ministerpräsident Wilfried Kretschmann landet übrigens mit seinem Dienstwagen im Mittelfeld: Platz 10 für den baden-württembergischen Landesvater und seinem Hybrid-Auto mit einem CO2-Ausstoß von 228 g/km. Zwei Plätze weiter hinten findet sich Bayerns Landeschef Markus Söder: Er fährt einen Diesel (237 g(km).

ARCHIV – Winfried Kretschmann (Bündnis90/Die Grünen), Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, posiert am 19.02.2015 in Immendingen (Baden-Württemberg) nach dem Spatenstich für das Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen neben seinem neuen Dienstwagen, einem Mercedes-Benz S 500 Plug-in-Hybrid. (zu dpa: «Kretschmann in seinem Dienstwagen: «Wie eine Sardine in der Büchse»» vom 16.01.2018) Foto: Felix Kästle/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
ARCHIV – Winfried Kretschmann (Bündnis90/Die Grünen), Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, posiert am 19.02.2015 in Immendingen (Baden-Württemberg) nach dem Spatenstich für das Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen neben seinem neuen Dienstwagen, einem Mercedes-Benz S 500 Plug-in-Hybrid. (zu dpa: «Kretschmann in seinem Dienstwagen: «Wie eine Sardine in der Büchse»» vom 16.01.2018) Foto: Felix Kästle/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++ | Verwendung weltweit | Bild: Felix Kästle

Die Platzierung der grün-schwarzen Dienstwagenflotte

Generell schneiden die Dienstwagen der grün-schwarzen Landesregierung nach der Analyse der Deutschen Umwelthilfe eher schlecht ab. Im Bundesvergleich liegen sie beim durchschnittlichen CO2-Ausstoß auf Platz 14. Den letzten Platz belegt Nordrhein-Westfalen – auf den besten Platz kommt der Stadtstaat Bremen.

Was bedeutet der "reale" CO2-Ausstoß?

Die „reale“ Definition der DUH ist nicht identisch mit den Angaben zum offiziellen CO2-Normausstoß der Autohersteller, die deutlich tiefer liegen.

Bei ihrer eigenen Erhebung berechnet die Umwelthilfe die durchschnittliche Abweichung der Herstellerdaten von Messwerten im tatsächlichen Fahrbetrieb. Sie stützt sich dabei auf Methoden des Umweltforschungsverbunds ICCT, der den VW-Abgasskandal mit aufdeckte.

Dienstfahrzeuge von Politikern stehen im Regierungsviertel in einer Reihe.
Dienstfahrzeuge von Politikern stehen im Regierungsviertel in einer Reihe. | Bild: Gregor Fischer

Wie Abgas-Messungen genau ausgelegt sein sollten, bleibt umstritten. Ab September gilt in Europa für neu zugelassene Autotypen auf dem Prüfstand der realitätsnähere Standard WLTP.

Später werden gesetzlich verbindliche Tests eingeführt, bei denen auch auf der Straße gemessen wird (Real Driving Emissions/RDE).

In der EU sollen 2021 im Schnitt alle neu zugelassenen Pkw einen CO2-Grenzwert von 95 g/km einhalten. Das Ausstoß des Klimagases ist direkt an den Verbrauch gekoppelt. (dpa)