Kandel, Dezember 2017: Ein Mädchen (15) wird in einem Drogeriemarkt in dem rheinland-pfälzischen Ort erstochen. Ihr angeblich gleichaltriger Ex-Freund kommt unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Ein Gutachter stellt fest, dass der afghanische Flüchtling wahrscheinlich etwa 20 Jahre alt ist.

Lünen, Januar 2018: Ein 14-Jähriger wird an einer Gesamtschule am Rande des Ruhrgebiets mit Messerstichen in den Hals getötet. Der ein Jahr ältere mutmaßliche Täter soll sich durch Blicke provoziert gefühlt haben. Beide sind Deutsche. Der 15-Jährige kommt wegen Mordverdachts in U-Haft.

Dortmund, Februar 2018: Eine 15-Jährige erleidet bei einem Streit mit einer 16-Jährigen auf einem Parkdeck so schwere Stichwunden, dass sie stirbt. Die Tatwaffe soll ein Butterfly-Messer gewesen sein. Die Deutschen sollen sich gut gekannt haben, die Verdächtige kommt in U-Haft.

Berlin, März 2018: Eine Verabredung zweier Jugendlicher im Ortsteil Alt-Hohenschönhausen endet tödlich: Ein 15-Jähriger ersticht seine ein Jahr jüngere Mitschülerin in ihrer Wohnung. Die Mutter findet die Tochter, sie kann nicht gerettet werden. Der verdächtige Deutsche gesteht die Tat, die Staatsanwaltschaft erlässt Haftbefehl.

Flensburg, März 2018: Eine 17-Jährige wird in ihrer Wohnung mit mehreren Messerstichen getötet, ihr 18-jähriger Freund festgenommen. Der aus Afghanistan stammende Asylbewerber kommt wegen Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft. Beide wurden vom Jugendamt betreut.

Trotzdem ist eine Zunahme von Messerattacken derzeit schwer zu belegen, da es einen Beleg dafür mangels Zahlen nicht gibt. Denn anders als bei Schusswaffen wird der Gebrauch von Messern als Tatmittel nicht in der bundesweiten Kriminalstatistik erfasst.

Zahlen, die aus einzelnen Bundesländern wie etwa Berlin vorliegen, deuten jedoch auf eine Zunahme hin. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht von „offenbar“ sich häufenden Messerattacken in Deutschland und fordert - ebenso wie die konkurrierende Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) -, mit Messern begangene Straftaten bundesweit zu erfassen, um ein besseres Lagebild zu erhalten.

Auch die Frage, inwiefern unter Messerangreifern überdurchschnittlich viele Migranten vertreten sind, lässt sich mangels Statistik kaum beantworten. Die DPolG teilte zu dem Thema kürzlich mit: „Die Zahl junger männlicher Migranten unter den Angreifern mit einem Messer ist auffallend.“