Man muss sich schon etwas Besonderes geleistet haben, um von Donald Trump öffentlich auf Twitter mit den Worten „Total loser!“ („Totaler Verlierer!“) gewürdigt zu werden. Dem konservativen Anwalt George Conway wurde diese zweifelhafte Ehre nun zuteil. Was besonders pikant ist. Denn Conway ist der Ehemann von Kellyanne Conway, eine der engsten Vertrauten und wichtigsten Beraterinnen des Präsidenten.

Kellyanne Conway, eine der engsten Vertrauten und wichtigsten Beraterinnen des Präsidenten, führt momentan einen öffentlichen Ehekrach mit ihrem Mann George Conway. | Bild: Mandel Ngan (afp)

 

Und George Conway hat sich einen der schlimmsten Affronts geleistet, den man aus Trumps Sicht begehen kann: den Geisteszustand und die mentale Fitness des Präsidenten anzuzweifeln. Conway hatte in mehreren Twitter-Posts mit Auszügen aus Fachzeitschriften ein vernichtendes Fazit zu Trump gezogen. Der Präsident leide eindeutig unter anderem an einer antisozialen und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

 

Damit gibt ausgerechnet der Gatte von Kellyanne Conway, die bisher den Präsidenten energisch und wortgewaltig gegen jede Art von Kritik in Schutz genommen hat, der Debatte über eine mögliche Verhaltensstörung Trumps neuen Auftrieb.

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Dieser hatte über das Wochenende in rund 50 Twitter-Beiträgen einen bizarr wirkenden Rundumschlag getan – und unter anderem China, Google, General Motors, Hillary Clinton, das FBI, Barack Obama, die Pariser Klimaverträge und den verstorbenen Senator John McCain kritisiert. Zwischendrin gratulierte er dann noch den Iren zum St.-Patricks-Tag. Was diese heftigen Tiraden auslöste, darüber gibt es in den USA bisher keine Klarheit, sondern nur Vermutungen. Einige Beobachter vertreten die Theorie, Trump sei „explodiert“, nachdem ihn der Amokschütze von Christchurch in seinem Manifest namentlich erwähnt und als vorbildlichen weißen Nationalisten gelobt hatte.

Bild: Matt Rourke (dpa)

Der Präsident hat es bisher nicht geschafft, das regelmäßige Wiederaufflammen der Spekulationen um seinen Geisteszustand zu beenden. Im letzten Jahr erreichte eine Petition auf der Internet-Plattform „change.org“ mehr als 70 000 Unterschriften von Psychologen und Psychiatern. Ziel der Petition:

 

„Experten für Geistesstörungen erklären Trump für geisteskrank und fordern seine Absetzung.“
Petition auf „change.org“

Auf einer Konferenz der Elite-Universität Yale im Jahr 2017 warnten Experten in einer Abschluss-
erklärung, es sei ihre „berufliche Pflicht“, die Öffentlichkeit über die Gefahren zu informieren, die Donald Trump für die Sicherheit des Landes darstelle. Der Psychologe John Gartner, der die Petition zur Entfernung Trumps aus dem Weißen Haus mitbegründete, wird vom Magazin „Rolling Stone“ mit den Worten zitiert: Eine Diagnose sei im Fall Trump nicht schwer. Es handele sich um einen sehr kranken und gefährlichen Mann, der völlig außer Kontrolle sei. Niemand scheint ihn zu stoppen. Und: „Je verzweifelter Trump ist, desto aggressiver wird er vorgehen.“

 

Trump kann auch charmant. Darauf verlassen sollte man sich nicht. Bild: AFP
Trump kann auch charmant. Darauf verlassen sollte man sich nicht. | Bild: Saul Loeb (AFP)

Solche Diagnosen sind allerdings wissenschaftlich umstritten, da keiner der in Richtung Trump schießenden Experten und Kritiker den Präsidenten bisher persönlich unter vier Augen begutachten konnte. Es handelt sich also um Ferndiagnosen, die sich in erster Linie auf Trumps Aussagen und seine öffentlichen Auftritte stützen. Das gilt auch für die gerne vertretene Ansicht, Donald Trump sei paranoid, weil er sich stets als Opfer darstelle – wenn er beispielsweise von einer „Hexenjagd“ der Ermittler spricht und seine Arbeit als Präsident völlig unkritisch so bilanziert:

„Niemand hat geschafft, was ich erreicht habe. Und ich würde mir dafür eine Eins plus geben.“
Donald Trump“

 

Aktuell sorgt Trump mit Äußerungen über einen möglichen Nato-Beitritt Brasiliens für Kopfschütteln. In der Nato-Zentrale in Brüssel wurde darauf verwiesen, dass der Nordatlantikvertrag eine Aufnahme von zusätzlichen nicht-europäischen Ländern nicht vorsehe. Zudem sei auch die Beistandspflicht geografisch beschränkt. Sie gelte nur für Gebiete oberhalb des nördlichen Wendekreises, und Brasilien liege weit darunter.

Wurden die Fragezeichen hinter Trumps Geisteszustand anfänglich vor allem von der politischen Linken in den USA gesetzt, zeigen Aussagen im Sender Fox News und vor allem die jüngste Conway-Analyse, dass die Bedenken und Sorgen nun auch Amerikas Konservative beschäftigen. Conway beschrieb jetzt gegenüber der „Washington Post“, warum er sich über Twitter zuletzt so intensiv mit Trumps mentaler Gesundheit beschäftigt hat. Dies halte ihn davon ab, seine Frau anzuschreien. Denn die Inkompetenz des Präsidenten sei kaum noch zu ertragen – „und es wird immer schlimmer“.

Trumps Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Conway sei „ein Ehemann aus der Hölle“, so der Präsident gestern auf Twitter.