Herr Hahn, Sie sind selbst Landwirt? Was bauen Sie an?

Der Schwerpunkt auf meinem Hof liegt beim Feldgemüse. Wir bauen Möhren, Sellerie, Kartoffeln und Zwiebeln an. Das sind unsere Hauptkulturen. Dazu stehen im Stall noch 40 Milchkühe.

Was hat die Hitze dieses Sommers mit Ihren Früchten angestellt ?

Da hat sich vieles verschoben. Uns stehen nur begrenzte Wassermengen pro Tag zur Verfügung – 200 Kubikmeter. Das ist für den Gemüsebau zu wenig. Wir stellen fest: Es wird richtig schwierig, wenn man einen Hof bewirtschaften will. Die Nutzung des Wassers wird zukünftig über die Existenz der Landwirte entscheiden. Das wird die gesamte Bodenseeregion bewegen, auch wenn man meinen sollte, dass am Bodensee genug Wasser vorhanden ist.

Und wenn die Landräte das Wasser abdrehen oder begrenzen? Was dann?

Bisher entnehmen wir das Wasser aus Oberflächengewässern. In Zukunft benötigen wir ein besseres Konzept, ein regelrechtes Wassermanagement. Vor der Haustür steht ein riesiges Reservoir – der Bodensee. 4,7 Millionen Menschen entnehmen Wasser daraus. Das ist weit weniger als die Verdunstung. Da sehe ich auch Spielraum für eine landwirtschaftliche Nutzung des Sees. Dazu kommen dezentrale Brunnen. Und Wasserspeicher, die in regenreichen Zeiten das Wasser aufnehmen und bereithalten. Das wäre ein Masterplan.

Wer kümmert sich um den Plan? Das Wetter kühlt ab, der Herbst kündigt sich an. Der Sommer 2018 ist schnell vergessen.

Da haben Sie recht. Ich will meinen Wasserplan in den Kreistag bringen. Der Kreis ist die Untere Naturschutzbehörde, er wäre der richtige Partner dafür. Die Landratsämter können die Arbeit leisten.

Das wundert mich. Sie sitzen für die Grünen im Landtag und werden vor allem als Landespolitiker gesehen. Das Land könnte doch viel mehr auf die Beine stellen.

Ich bin ehrlich: Die Dürre ist das eine; und unterschiedliche Ansichten über die Agrarpolitik das andere. Ich bin gegen ein Ausspielen der beiden. Unabhängig von der kernigen Hitze brauchen wir eine neue Agrarpolitik. Eine Agrarwende, die diesen Namen verdient. Dazu kommt eine artgerechte Tierhaltung. Auch hier kann noch viel Gutes geschehen.

Wo hat der zu Ende gehende Sommer am härtesten zugelangt?

Das Grünland hat es am meisten erwischt. Wiesen und Weiden wurden geschädigt. Das gilt für alle Betriebe im Land. Wer also viel Grünland bewirtschaftet, muss am meisten Einbußen hinnehmen. Das gilt verstärkt für den Schwarzwald mit seinen Flächen an Dauergrünland.

In den vergangenen Wochen wurde massiv nach dem Staat gerufen. Bund und Länder greifen auch ein mit einem Millionenpaket. Machen solche Subventionen fit für die Zukunft?

Ganz so einfach ist das nicht. Im Moment sind Nothilfen richtig, aber im Sinne einer einmaligen Maßnahme. Ich erinnere daran, dass der durchschnittliche Konsument kaum berührt wird von den Notlagen der Bauern in seiner Umgebung. Das verdanken wir der Globalisierung. Wenn der Salat aus Baden wegbleibt, liefert ein anderes Land den Salatkopf. Härtelagen sind nur für den Erzeuger spürbar. Was wir jetzt hineinstecken, gibt uns der Markt nicht zurück. Wir können den Preis nicht hinaufsetzen. Früher ging das sehr wohl.

Welche Rolle spielt dann das Regionale noch?

Eine immer größere. Selbst die großen Discounter werben inzwischen mit einheimischen Produkten. Und bei allen finden sie inzwischen Bio-Karotten in den Regalen – worüber früher noch gelächelt wurde. Selbst Lidl oder Aldi stellen 180 bis 220 Artikel aus dem Öko-Segment in ihre Märkte. Daran sehen Sie, dass der Absatz da ist.

Fragen: Uli Fricker