Deutschland erlaubt den Anhängern einer verbotenen Terror-Organisation eine Kundgebung, die von der Polizei abgesichert wird – das passt exakt ins Bild vom doppelzüngigen Westen, das die türkische Regierung vor ihren eigenen Anhängern verbreitet. Es mag gute Gründe dafür geben, dass die PKK-nahe Kundgebung von Köln trotz verbotener Inhalte und Symbole nicht aufgelöst wurde. Die Polizei muss zwischen der Strafverfolgung und dem Risiko großflächiger Ausschreitungen abwägen. Doch das ändert nichts daran, dass Deutschland den Eindruck erweckt, dass sich anti-türkische Gruppen ungestört auf den Straßen tummeln dürfen, während türkische Regierungspolitiker ein Auftrittsverbot erhalten. Präsident Erdogan wird das zu nutzen wissen.

Heute stehen in Istanbul erneut 30 türkische Journalisten vor Gericht und müssen allein wegen ihrer Artikel teilweise mit lebenslangen Haftstrafen rechnen. Deutsche Kritik an diesen Zuständen dürfte in der Türkei mit einem Schulterzucken aufgenommen werden.