Lieber Bakery Jatta,

Sie haben den Menschen in Karlsruhe nichts getan. Und trotzdem wurden Sie am vergangenen Wochenende im Karlsruher Wildparkstadion ab der ersten Minute ausgepfiffen, als Sie mit ihrem HSV beim KSC antraten. Und dort gewannen, leider, wie ich als KSC-Fan sagen muss, der selbst im Stadion war. Gepfiffen habe ich natürlich nicht, einige – immerhin nicht allzu viele – Karlsruher aber schon. Warum?

Weil Sie, Bakery Jatta, zum Freiwild einer teilweise verrohten Gesellschaft geworden sind – und Sie dann auch noch Teil der aufgeregten Welt des Fußballs sind. Angeheizt von Boulevard-Blättern wurde in den Medien die Echtheit Ihres Lebenslaufs angezweifelt.

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Belege gibt es bis heute keine. Aber etwas bleibt immer hängen, und sei es noch so falsch.

Dazu kommt der Deutsche Fußballbund, der einen Verein nach dem anderen Einspruch einlegen lässt gegen die Wertung der Spiele, in denen Sie mitmachen, ohne diesen direkt abzuweisen.

Sei sind ein Glücksfall

Wer Sie auspfeift, ist nicht automatisch Rassist. Aber er hat sich mitreißen lassen von einer Debatte mit rassistischem Charakter. Sie werden zum Symbol stilisiert für Asylbetrug. Sie, der Gambier. Nicht besser als alle anderen Schwarzafrikaner, die eh nur fürs Geld kommen, sagen die Hetzer und Menschenfeinde, die nichts verstehen. Sie könnten gar nicht mehr Unrecht haben.

Sie, Herr Jatta, sind ja nicht mal Asylbewerber, sie haben eine Aufenthaltserlaubnis als Arbeitnehmer. Sie sind hier, weil Sie gut kicken können. Ein Profifußballer wie alle anderen. Sie leben, bei allem was man weiß, ein makelloses Staatsbürger-Leben. Sie zahlen dank eines stattlichen Gehalts beim notorisch größenwahnsinnigen HSV so viel Steuern, dass Sie ein Glücksfall für die deutsche Staatskasse sind.

Ehrliche Arbeit

Ihr Trainer, ihre Teamkollegen, die HSV-Fans: Sie stehen hinter Ihnen wie ein Mann, lassen nichts auf Sie kommen. Sie sind angekommen in diesem Land, dank harter, ehrlicher Arbeit auf dem Trainingsplatz und dem Spielfeld. Sie haben Ihren Schweiß nicht umsonst vergossen.

Die HSV-Fans unterstützen Jatta.
Die HSV-Fans unterstützen Jatta. | Bild: Uli Deck/dpa

Ignorieren Sie die Pfiffe. Die kommen nicht aus dem Fanblock, sondern von der Haupttribüne. Dort, wo die Leute sitzen, die denken, sie wären zivilisiert. In Wahrheit sind es oft diese Menschen, die sich tatsächlich durch Tricksen und Täuschen durch ihr bescheidenes Arbeitsleben mogeln.

Passende Antwort

Sie dagegen können stolz auf das sein, was Sie erreicht haben. Klar, unsere Gesellschaft sendet in ihrer endlosen Hysterie das Signal: Selbst wenn es ein neu im Land angekommener Mensch wie Sie zu etwas bringt, hauen wir noch so gut es geht auf ihn drauf. Aber das sollte Ihnen egal sein. Sie geben die passende Antwort derzeit ja ohnehin jedes Wochenende mit starken Leistungen in den Zweitliga-Stadien.

Machen Sie so weiter. Ich wünsche Ihrem unsympathischen Verein zwar wenig Gutes, aber Ihnen nur das Beste.

Mit freundlichen Grüßen,

Dominik Dose