Neuseelands Vize-Premierminister Winston Peters reist in die Türkei, um nach umstrittenen Bemerkungen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan „Missverständnisse aus dem Weg zu räumen“. Das sagte Premier Jacinda Ardern am Mittwoch in einer Pressekonferenz in der neuseeländischen Stadt Christchurch. Hintergrund sind scharfe innenpolitische Reden von Erdogan nach den Angriffen auf zwei Moscheen in Christchurch mit mindestens 50 Toten vor fünf Tagen.

Neuseelands Außenminister und Vize-Premier Winston Peters wird in die Türkei reisen. Er möchte mit Präsident Erdogan „Missverständnisse aus dem Weg zu räumen“.
Neuseelands Außenminister und Vize-Premier Winston Peters wird in die Türkei reisen. Er möchte mit Präsident Erdogan „Missverständnisse aus dem Weg zu räumen“. | Bild: David Lintott (AFP)

Erdogan hatte am Dienstag in einer Wahlkampfrede gesagt, dass der Todesschütze nach der Rechtslage in Neuseeland nicht mehr als 15 Jahre absitzen könnte. „Wie billig doch ein Menschenleben ist“, sagte er. Er forderte Neuseeland auf, die Gesetze zu ändern und „solchen Mördern kein Recht auf Leben einzuräumen“. Wenn Neuseeland ihn nicht zur Rechenschaft ziehe, werde die Türkei es tun. Erdogan hatte zuvor mehrfach die „Islamophobie“ des Westens kritisiert.

Kritik hatte Erdogan auch für Bemerkungen aus einer Rede vom Montag erhalten. Da hatte er gewarnt, dass Australier und Neuseeländer mit antimuslimischer Gesinnung das gleiche Schicksal erleiden könnten wie Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gegen das Osmanische Reich gekämpft hatten. Australien hatte deshalb am Mittwoch den türkischen Botschafter einbestellt.

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Winston Peters, der auch Neuseelands Außenminister ist, werde in der Türkei „auf unverblümte Art und Weise“ deutlich machen, dass die muslimische Gemeinde in Neuseeland „die Unterstützung aller Neuseeländer“ habe, sagte Jacinda Ardern. Was geschehen sei, sei in Neuseeland noch nie dagewesen. Der Zeitung „NZ Herald“ zufolge wird er zuerst nach Indonesien reisen. Wann genau er in der Türkei ankommen wird und wen er treffen wird, blieb zunächst unklar. (dpa)