Es ist seit der Antike guter politischer Brauch unter den Mächtigen, einen Widersacher mit einem Amt zu betreuen, ihn durch Loyalität zu binden und ihm zugleich die Chance zu geben, zu zeigen, was in ihm steckt. Das kommt nun auch Jens Spahn zugute, an dem Merkel einfach nicht mehr vorbeikam, denn die von der Kanzlerin vernachlässigten Reihen der Jungkonservativen verlangten nach einer Stimme an vorderer Position. Das ist das Kabinett zweifelsohne.

Wer in den Schachzug allerdings eine Öffnung nach Rechts sieht, täuscht sich. Merkel hat die Weichen für ihr Erbe gestellt. Die Berufung von Annegret Kamp-Karrenbauer zur CDU-Generalin macht das deutlich. Auch Ursula von der Leyen, Julia Klöckner und das neue Gesicht der Bildungspolitik, Anja Karliczek, sind Gefolgsleute der Kanzlerin und ihr verpflichtet. Das Gleiche gilt für ihren Getreuen Peter Altmaier und das unbeschriebene Blatt Helge Braun. Eine Erneuerung gegen Merkel, so viel steht fest, wird es nicht geben.