Davos – Ihr Auftritt galt als Höhepunkt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wusste die große Bühne für sich zu nutzen: Vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos warb die deutsche Regierungschefin eindringlich für eine enge Zusammenarbeit der Staaten, um die großen globalen Krisen zu meistern.

Sie trat als starke Kanzlerin auf – keine Spur von den parteiinternen Auseinandersetzungen in Berlin oder den harten Fronten innerhalb der EU.

Alles andere als der Multilateralismus werde „ins Elend führen“, warnte die Bundeskanzlerin – auch mit Blick auf den drohenden ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU und dessen befürchteten Folgen für ganz Europa.

Als Gefahren und Herausforderungen für die Welt nannte die Kanzlerin aber auch den Klimawandel, Cyberattacken wie unlängst auf mehrere Bundespolitiker, deren persönliche Daten, Facebookaccounts, Telefonnummern und E-Mail-Adressen gehackt worden waren.

Auch künstliche Intelligenz führte Merkel als künftige Herausforderung an, ebenso wie die Armut in der Welt: Die Schere zwischen Arm und Reich ist weltweit einmal mehr größer geworden.

Anti-Trump-Programm

Mit ihrer Aussprache für internationale Zusammenarbeit erteilte Merkel unilateralen Politikentwürfen, wie sie US-Präsident Donald Trump verficht, eine eindeutige Absage. Wer sage, der Welt gehe es am besten, wenn jeder an sich denkt, liege falsch.

Der Auftritt der CDU-Politikerin galt als einer der Höhepunkte des Kongresses in dem Schweizer Alpenstädtchen, auf dem sich jedes Jahr tausende Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft tummeln.

Merkels Rede, die sie auf Deutsch hielt, hatte Gewicht. Sie sprach als einzige Staats- und Regierungschefin aus einer der vier großen westlichen Wirtschaftsmächte in Davos. US-Präsident Trump, Großbritanniens Premierministerin Theresa May und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mussten wegen innenpolitischen Scherereien ihr Kommen absagen.

Trump verantwortet derzeit den längsten Shutdown in der Geschichte seines Landes, weil ihm im Haushaltsplan des Landes Milliarden für seine geplante Mauer verwehrt werden. May kämpft verbissen um Nachverhandlungen um den Brexit-Vertrag mit der EU, Macron muss sich dem Streit um seine Wirtschafts- und Sozialreformen widmen, die nach wie vor Gelbwesten auf die Straße treibt. Die langjährige Kanzlerin wirkte in diesem Szenario des Chaos wie eine Gallionsfigur der Stabilität.

Das klare Bekenntnis zum Multilateralismus der Kanzlerin war von den Machern des Weltwirtschaftsforums erhofft worden. Klaus Schwab, der Gründer und Chef des Forums, wurde von seinem Stammgast Merkel nicht enttäuscht. Die Kanzlerin verteidigte die Vereinten Nationen und ihre Sonderorganisationen als Korsett der internationalen Ordnung, dem die Menschen viel zu verdanken hätten. So sei die extreme Armut auf der Welt seit dem Beginn der 70er Jahre stark zurückgedrängt worden.

Merkel benannte aber auch die Schwierigkeiten des Multilateralismus: So seien internationale Institutionen wie die Weltbank oder der Währungsfonds nur schwer zu reformieren. In den kommenden beiden Jahren sitzt Deutschland als nicht ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der UN – gemeinsam mit anderen Ländern setzt sich die Bundesrepublik seit Jahren vergeblich für eine Reform von dessen Zusammensetzung ein.

Vor der Kanzlerin hatte Japans Regierungschef Shinzo Abe gesprochen. Auch er pochte auf internationale Kooperation: Die USA, Europa und Japan müssten in der Welthandelsorganisation (WTO) an einem Strang ziehen. Auf Trump sollte Abe besser nicht bauen – der drohte immer wieder mit einem Ausstieg aus der WTO, wo seine Strafzölle auch gegen die EU angekreidet werden.