Der Koalitionsvertrag ist gebilligt, die neue Generalsekretärin mit breiter Mehrheit ins Amt gewählt, Chefkritiker Jens Spahn ins Kabinettsjoch gezwungen. Die Meuterei ist abgeblasen, die CDU schart sich wieder hinter der Kanzlerin. Diese Vorsitzende, das zeigt der Parteitag in Berlin deutlich, lässt sich nicht anzählen oder gar absägen. Wohin das Schiff segelt und wer mit ihr auf der Kommandobrücke steht, entscheidet weiterhin sie.

Vorerst zumindest. Denn nach diesem Parteitag ist in der CDU nichts mehr wie es war. Die Kanzlerin bereitet die Hofübergabe vor – und stellt zugleich sicher, dass die Nachfolger das Erbe in ihrem Sinne verwalten. Deshalb wird keine Konservative, sondern eine Sozialpolitikerin zur Kronprinzessin gekürt. Deshalb wird ein neues Grundsatzprogramm erarbeitet, das den Platz der CDU als Volkspartei der Mitte auf Dauer sichern soll. Der Rechtsruck, wie ihn die Konservativen in der Union erhoffen, fällt aus. Daran wird auch ein Platz für Jens Spahn am Kabinettstisch nichts ändern: Gesundheitsminister beackern ein undankbares Feld. Wer es übernimmt, macht sich zwangsläufig unbeliebt – bei Patienten, bei Beitragszahlern, bei der Pharmaindustrie. Eleganter hätte die Kanzlerin ihren Widersacher nicht kaltstellen können.

In ihre letzte Runde geht Merkel somit so, wie sie kam: als Taktikerin der Macht. Ihre Personalentscheidungen für Kabinett und Parteispitze laufen darauf hinaus, Ruhe in die gebeutelte CDU zu bringen, um in Ruhe weiterregieren zu können. Will die CDU auch nach der Ära Merkel an der Macht bleiben, wird sie mehr bieten müssen. Statt eines letzten Aufgebots braucht es dann einen Aufbruch. Deutlicher als das 33-Prozent-Ergebnis bei der Bundestagswahl kann die Warnung nicht ausfallen.

So bleibt die Union auch nach dem Parteikongress gefangen zwischen dem Wunsch nach Erneuerung und den Zwängen großkoalitionärer Realpolitik. Das Regierungsbündnis mit den Sozialdemokraten, so es denn wirklich zustande kommt, wird Merkels CDU in den Augen ihrer Stammwähler zwangsläufig weiter nach links rücken. Die AfD bedankt sich. Noch hat die Union keine schlüssigen Antworten darauf. Merkels Nachfolger werden sie finden müssen.

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