Macrons Vorschlag für eine Reform der EU oder der Währungsunion liegt schon lange auf dem Tisch. Nun hat Merkel geantwortet – endlich. Beide eint der gleiche Gedanke: Die Angleichung der Verhältnisse in allen Mitgliedstaaten muss vorankommen. Denn aus Enttäuschung über die beim Beitritt versprochenen, nun aber ausbleibenden Fortschritte wird Nationalismus und damit ein Nährboden für EU-Skeptiker und -Gegner.

Dennoch bremst Merkel mit ihren pragmatischen Positionen den Visionär Macron. Zu Recht. Die EU braucht keine weiteren Fördertöpfe. Das ist alles vorhanden, könnte allerdings verbessert, gezielter ausgerichtet und an mehr Effizienz gebunden werden. Richtig ist auch, dass die Kanzlerin auf solides Haushalten pocht und den Schuldensündern in Europa nicht nachgeben will. Macrons Visionen und Merkels Zurückhaltung passen besser zusammen als es scheint – weil der Franzose ein Ziel beschreibt, während die Deutsche den Weg dahin meint.