Der blutige Sonntag in Chemnitz macht sprachlos: Nach Mitternacht wird am Rande eines Stadtfests ein Deutscher erstochen. Zwei arabische junge Männer werden festgenommen. Später werden Ausländer gejagt, das Fest bricht ab, Rechte marschieren auf – wie auf Knopfdruck und dankbar dafür, dass sie einen Anlass finden, von dem sie glauben, es sei ihr Anlass.

Dabei weiß bisher niemand, was genau passiert ist. Wofür oder wogegen steht der Haufen, der später jene Menschen jagt, deren Haut nicht hell genug ist? Wenn in Chemnitz und anderswo Menschen erstochen werden, dann sind Polizei und Justiz dafür zuständig. Sie werden die Bluttat aufklären und sühnen – nicht die selbsternannten Rächer. Die Selbstjustiz rechter Gruppen ist fehl am Platz.

Noch etwas macht der Vorfall deutlich: In Sachsen häufen sich Pöbelei und rechtsradikale Ausschreitungen, obwohl dort prozentual weit weniger Asylbewerber untergebracht werden als in westlichen Bundesländern. Was ist nur im Osten los?