Dass er auf Parteizwänge und Konventionen pfeift, hat Ministerpräsident Kretschmann schon häufiger bewiesen. Dass ausgerechnet er, der einzige grüne Ministerpräsident, sich nun auf die Seite der Automobilkonzerne stellt, dürfte daher kaum jemanden überraschen. Immerhin hat er erst kürzlich enthüllt, dass er sich sogar privat einen Diesel zugelegt hat. Die Begründung: „Neulich habe ich für meinen Enkel eine Tonne Sand geholt: Da brauche ich einfach ein gescheit’s Auto.“

Das verrät viel vom Pragmatismus, der dem Ministerpräsidenten zu eigen ist und ihm Wählerherzen zufliegen lässt. Auch wenn ihn so mancher Vertreter der eigenen Partei verfluchen wird, sollten seine Kollegen aus der Politik sich die Haltung des Grünen aus Stuttgart zum Vorbild nehmen. Denn der weiß: Mit Schaum vorm Mund lässt sich schlecht diskutieren. Zumal die Politik eine gehörige Portion Mitschuld trägt an der Misere. Zu oft hat sie die Augen verschlossen, um die Industrie zu schützen.