Eines muss man Martin Schulz lassen: Er kämpft. Schlechte Umfrageergebnisse und eine kaum messbare Wechselstimmung machen das Ringen um das Kanzleramt zu einem wahren Kraftakt. Doch der SPD-Kandidat zeigt Ausdauer und versucht die Stimmung zu drehen. Dass dabei so manche Formulierung schärfer gerät als nötig, gehört zum Geschäft. Wahlkampf-Folklore. Und doch hat er mit seinem Vorwurf, Merkel gefährde die Demokratie, einen Fehler gemacht.

In Zeiten, in denen islamistische Wirrköpfe die freie Gesellschaft mit Waffengewalt angreifen, in denen die AfD mit ihren Parolen auf den politischen Anstand zielt, in denen Hacker versuchen, Wahlen zu beeinflussen, ist es geradezu unanständig, der Bundeskanzlerin Demokratiezersetzung vorzuhalten. Die Union nimmt die Vorlage dankbar an, weiß sie doch, dass der Schmutz an dem kleben bleibt, der mit ihm wirft. Und so steht Schulz am Ende da wie ein wütendes Kind, das immer mehr provozieren will, weil ihm die Aufmerksamkeit versagt wird.