Herr Chan, was taugt das von Trump hochgelobte Abkommen mit Kim Jong Un wirklich?

Korea-Experte Martin Chan.
Korea-Experte Martin Chan. | Bild: Martin Chan.

Beide, Trump als auch Jong Un, sind bekannt dafür, dass sie lügen: Beide haben internationale Abkommen gebrochen. Zwei Mafiapartner wären da noch ehrenvoller. Es sind beides Charaktere, die keinerlei moralische Grundsätze kennen. Als reiche Prinzen aufgewachsen, waren sie von Hofschranzen umgeben und haben nie Widerspruch erfahren.

Die eigentlichen Verhandlungen stehen noch bevor. Was können sie erreichen?

Nordkorea wird seine Atomwaffen nie abgeben. Unter Vater Kim Jong Il hat das Regime ganz genau beobachtet, was mit Saddam Hussein passiert ist und mit Muammar al-Gaddafi, die ihre Atomprogramme aufgegeben haben. Die Lehre daraus ist ganz klar: Wenn man eine Bombe hat, ist man sicher. Hat man sie nicht, ist man ausgeliefert. Durch die Absetzung der konventionellen Streitkräfte spart Jong Un massiv. Das geht aber nur, wenn er an der Atomwaffe festhält. Ich glaube, China hat Nordkorea gedroht, den Ölhahn endgültig zuzudrehen. Kim Jong Un muss die Lage entspannen, also verhandelt er.

Wie lange hält die neu gefundene Freundschaft zwischen Trump und Kim Jong Un?

Da müssen Sie Sigmund Freud fragen. Kim Jong Un ist noch relativ rational. Was für uns auf den ersten Blick irrational aussehen mag, kann man mit seinem Hintergrund noch relativ gut verstehen. Er ist nicht naiv wie Trump. Seine Provokationen sind immer kalkuliert.

Welches Ziel verfolgt Kim Jong Un dann mit dieser Annäherung?

Trump ist für ihn der perfekte Verhandlungspartner. Denn er ist durchgeknallt und irrational. Mit ihm kann er zwei Jahre lang verhandeln und ihn dann zur Weißglut bringen und dafür sorgen, dass Trump das Abkommen aufkündigt. Damit hat er aber kurzfristig China beruhigt. Denn die chinesischen Wirtschaftssanktionen dürften ihm zu schaffen machen. Wenn die USA dann ihrerseits die Verhandlungen abbrechen, kann ihm Peking das nicht vorhalten.

Fragen: Mirjam Moll