Liebe Rentenpolitiker,

grundsätzlich finde ich es ja gar nicht so schlecht, was Sie vorhaben mit der Grundrente. Wer viel und lange gearbeitet hat, soll im Alter auch eine Rente bekommen, von der er leben kann. Und selbst wer nur wenig geschuftet hat, darf als Senior keinen Hunger leiden. Wer aber nie irgendwas geleistet hat, soll keine bedingungslosen Geldgeschenke im Alter bekommen, wenn er es gar nicht nötig hat. Und da fangen die Probleme an.

Bei Bafög wird auch geprüft

Seit Wochen führen Sie, liebe Politiker, einen Eiertanz um die Bedürftigkeitsprüfung auf, als wäre es eine inquisitorische Maßnahme. Als wäre es eine Schande, dass man sich prüfen lassen muss, wenn man Geld vom Staat beantragt. Was sollen da denn all die Studenten sagen, die einen Bafög-Antrag stellen? Hier wird seit Jahrzehnten aufs Genaueste durchleuchtet, was man selbst und die Eltern so an Vermögen haben.

Soziale Gerechtigkeit ist kein Monopoly

Man darf soziale Gerechtigkeit nicht mit dem Frei-Parken-Feld bei Monopoly verwechseln, über das an jeden Geld ausgeschüttet wird. Nur wer unumgänglich finanzielle Hilfe benötigt, darf sie vom Staat erhalten.

Und grundsätzlich frage ich mich als Mitte-Zwanzigjähriger, wie weit man den Rentenapparat noch aufblähen sollte. Nicht missverstehen: Wie eingangs beschrieben, gönne ich jedem Rentner einen finanziell abgesicherten Ruhestand.

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Gerade auch den geburtenstarken 1950er- und 60er-Jahrgängen, die unser Land zu nie gesehener wirtschaftlicher Blüte gebracht haben und sich nun sukzessive zur Ruhe setzen. Aber: Meine Generation muss ihre Rente bezahlen – und das wird noch ein Kraftakt.

Ursachen bekämpfen

Dass ich selbst erst in Rente gehen kann, wenn ich schon tot bin, damit rechne ich eh. Aber wer jetzt für gut abgesicherte Rentner in der Zukunft sorgen will, schafft das nicht mit Rentengeschenken in der Gegenwart. Altersarmut mit Finanzhilfen für Senioren zu bekämpfen ist okay, aber doch nur ein symptomatische Maßnahme. Geht doch mal an die Ursachen, trocknet den Niedriglohnsektor aus.

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Und bei aller Liebe: Jobs schaffen höhere Staatsausgaben für die Rente halt nur sehr bedingt. Wer diese Milliardensummen in eine ökologische Industrie investiert, schafft heute Arbeitsplätze und damit die finanzstarken Rentner von morgen – die zudem noch in einer lebenswerten Welt leben dürfen.

Fataler Eindruck

Ich sehe derzeit kein großes Potenzial für irgendwelche Generationenkonflikte. Die Vernünftigen meiner Generation gönnen den Älteren sehr wohl eine anständige Rente. Fatal ist es nur, wenn der Eindruck entsteht, dass auf der einen Seite der heutige Rentenapparat immer weiter aufgebläht wird und den Jungen gleichzeitig die Rente mit 70 droht.

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Da gilt es, die Balance zu bewahren, es darf keine Geschenkepolitik für eine ältere Generation geben, nur um sich damit Wählerstimmen zu sichern. Das verhöhnt im Übrigen nicht nur die Jüngeren, sondern wird auch von Älteren problemlos durchschaut. Auch ihnen ist das Morgen nicht egal.