In Baden-Württemberg ist alles anders. Hier erscheinen die Grünen so staatstragend wie anderswo die CDU – und die CDU so zerstritten wie sonst nur die Grünen. Was sich die Christdemokraten im Streit um die Wahlrechtsreform derzeit leisten, erinnert an die Flügelkämpfe grüner Anfangsjahre. So brachial ließ noch selten eine Fraktion ihren Parteivorsitzenden auflaufen.

Etwas spät bemerken die Kontrahenten Reinhart und Strobl, was sie angerichtet haben. Plötzlich versuchen beide, Harmonie zu verbreiten. Sonderlich glaubwürdig sind die Einigungsschwüre nicht. Strobl ist als Landeschef und Minister nachhaltig beschädigt, demontiert von den eigenen Leuten. Reinhart wiederum kann von der Demütigung des Rivalen nicht profitieren: Mit derart harten Bandagen zu kämpfen, wirkt immer imageschädigend. Wer soll dem Fraktionschef die Behauptung, es gehe ihm allein um die Sache und nicht um Macht, noch abnehmen? Was bleibt, ist das Bild einer Partei, die sich selbst bekämpft. Desaströs.