Als die Türkin Ebru Özkan im Juni am Flughafen von Tel Aviv festgenommen wurde, konnte sie nicht ahnen, dass ihr Schicksal bald mit dem eines christlichen Geistlichen und der internationalen Politik verknüpft sein würde. Der israelische Geheimdienst ließ Özkan unter dem Vorwurf einsperren, sie habe der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas im Gaza-Streifen und damit einem Todfeind Israels geholfen. Erst mehr als einen Monat später konnte die 27-Jährige nach Hause fliegen – ihre Heimkehr war Teil eines internationalen Kuhhandels, der zur Freilassung des amerikanischen Pastors Andrew Brunson in der Türkei führen sollte, am Ende aber an türkischen Nachforderungen scheiterte. US-Präsident Donald Trump hat in einem Interview erstmals geschildert, wie die Geheimverhandlungen mit der Türkei über Brunson in den vergangenen Wochen abliefen. Rechtsstaatliche Prinzipien spielten dabei kaum eine Rolle.

Beim Nato-Gipfel im Juli bat Erdogan den US-Präsidenten um Hilfe im Fall Özkan. Damals lobte Trump Erdogan sogar öffentlich mit den Worten, der autokratische türkische Präsident mache alles richtig. Nach seinem Treffen mit Erdogan in Brüssel war Trump nach eigenen Worten sicher, einen Deal zu haben: Er selbst sollte für Özkans Freilassung sorgen, dann werde Erdogan den Pastor Brunson ziehen lassen. Die US-Regierung dringt seit Langem auf die Freilassung des Missionars, der seit fast zwei Jahren unter äußerst fragwürdigen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft sitzt.

Wie von Erdogan gewünscht, bat Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, für Özkans Freilassung zu sorgen. Obwohl gegen die Gaza-Aktivistin vier Anklagepunkte vorlagen und Özkan vom Geheimdienst als mutmaßliche Bedrohung für die nationale Sicherheit Israels beschrieben wurde, saß sie vier Tage nach dem Brüsseler Treffen von Trump und Erdogan in einem Flugzeug. Drei Tage nach Özkans Heimkehr stand im westtürkischen Izmir ein Gerichtstermin für Pastor Brunson an, bei dem Washington fest mit der Freilassung des Missionars rechnete. Trump fiel aus allen Wolken, als das türkische Gericht die Untersuchungshaft für Brunson verlängerte. Als Zeichen ihrer Gesprächsbereitschaft ließen die türkischen Behörden den Priester zwar in Hausarrest überstellen, doch für Trumps Regierung war das zu wenig.

Laut Erdogan stellte Trump der Türkei schließlich ein Ultimatum für Brunsons Freilassung, doch Ankara ließ die Frist verstreichen. Zwei Tage später verkündete Trump Wirtschaftssanktionen, die den Kurs der türkischen Lira in den Sinkflug schickten. Inzwischen droht Washington mit zusätzlichen Strafmaßnahmen. Erdogans Regierung bestreitet, dass sie die Freilassung fest zugesagt habe.

Nun geben sich beide Präsidenten kompromisslos. Trump sagte, die Türkei begehe „einen schrecklichen Fehler“. Erdogan warf den Amerikanern einen Angriff auf die türkische Wirtschaft vor, der auf den islamischen Glauben der Türken und ihre nationale Ehre ziele. Eine Lösung ist nicht in Sicht.