Natürlich wird es regierungsamtlich abgestritten, doch selbstverständlich ist die Anordnung, im Eingangsbereich jeder bayerischen Behörde ein Kreuz aufzuhängen, ein Teil der Wahlkampfstrategie des neuen Ministerpräsidenten Markus Söder. Den zur AfD abdriftenden Wählern soll signalisiert werden: Hier ist einer, der entschlossen ist, den Untergang des christlichen Abendlandes abzuwenden. Denn wenn die AfD bei der Landtagswahl im Oktober deutlich über zehn Prozent kommt, kann die CSU ihre absolute Parlamentsmehrheit vergessen.

Doch bei diesem Manöver hat sich Söder verkalkuliert. Dass die Opposition mit Kritik und Häme auf den Kreuzzug reagieren würde, war eingeplant, nicht aber die harsche Reaktion der Kirchen, insbesondere die von Kardinal Reinhard Marx. Mit dessen ungnädigen Kommentaren hat Söder nicht gerechnet. Die katholische Kirche ist in Bayern immer noch sehr einflussreich. Sie gegen sich aufzubringen, war in der CSU-Wahlkampfstrategie nicht vorgesehen.