Annegret Kramp-Karrenbauer bekam ihre Ernennungsurkunde vom stellvertretenden Bundesratspräsidenten, Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD). Er vertrat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der im Urlaub ist. Die bisherige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die am Dienstag zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt wurde, erhielt von Müller ihre Entlassungsurkunde.

An der Zeremonie nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Sie nahm während der Rede Müllers wie auch Kramp-Karrenbauer und von der Leyen auf einem weißen Stuhl Platz. Hintergrund: Bei der Ernennung der SPD-Politikerin Christine Lambrecht zur Justizministerin Mitte Juni hatte Merkel einen ihrer inzwischen vier öffentlichen Zitteranfälle erlitten.

"Mit größter Verantwortung für die Sicherheit unseres Landes“

Müller sagte zu Kramp-Karrenbauer, sie übernehme „ein Amt mit größter Verantwortung für die Sicherheit unseres Landes“. Zum einen brauche Deutschland eine starke Bundeswehr, zum deren brauche die Bundeswehr starken Rückhalt in der Politik und in der ganzen Gesellschaft.

Wenn der Bundespräsident abwesend ist, weil er beispielsweise wie jetzt Urlaub macht, übernimmt der Bundesratspräsident seine Amtsgeschäfte. Dies ist im Moment der Kieler Regierungschef Daniel Günther (CDU), der sich aber auf einer Auslandsreise befindet. Daher übernahm jetzt sein erster Stellvertreter Müller die Aufgabe.

Mit dem Eintritt ins Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel beweist Kramp-Karrenbauer jenen Mut, der ihr in den vergangenen schwierigen Monaten bisweilen abhanden gekommen zu sein schien. Kramp-Karrenbauer geht ein großes Risiko ein. Das Wehrressort gilt als eines der schwierigsten in Berlin. 

Entweder, Kramp-Karrenbauer scheitert wie so viele ihrer Vorgänger. Oder aber sie hat Erfolg - und kann dann mit Fug und Recht Anspruch auf die Kanzlerschaft erheben.

Die CDU-Chefin dürfte nun vor ihrer heikelsten Bewährungsprobe stehen. Zuletzt hatte es eher so ausgesehen, als würde Selbstverteidigung zur Paradedisziplin der künftigen Verteidigungsministerin werden. 

ARCHIV - 06.09.2011: Oberst Frank Rapp (l), stellvertretender Kommandeur der Saarlandbrigade, übergibt der damaligen neuen saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) anlässlich eines Rückkehrappells auf dem Ludwigsplatz in Saarbrücken ein Flagge des Saarlandes.
Oberst Frank Rapp (l), stellvertretender Kommandeur der Saarlandbrigade, übergibt der damaligen neuen saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) anlässlich eines Rückkehrappells auf dem Ludwigsplatz in Saarbrücken ein Flagge des Saarlandes. (Archiv) | Bild: Oliver Dietze (dpa)

Kramp-Karrenbauer machte Fehler, wirkte verunsichert und fand nicht so recht hinein in ihre neue Rolle als CDU-Chefin neben der weiter amtierenden CDU-Kanzlerin Merkel. Während AKKs Werte in den Umfragen absackten, wurde Merkel immer beliebter.

Ganz allmählich wurde in ihrer Partei Murren über die ausbleibenden Erfolge der neuen Chefin laut. Bislang hatte Kramp-Karrenbauer partout nicht ins Kabinett eintreten wollen. Sie wollte sich ganz der Neuaufstellung der CDU widmen.

Als Parteivorsitzende hat sie größere politische Freiheiten, wenn sie nicht zugleich in die Kabinettsdisziplin eingebunden ist - diese Argumentation wurde auch in Merkels Umfeld vertreten. Nun hat sich Kramp-Karrenbauer anders entschieden - getrieben wohl von der Erkenntnis, dass es so wie bisher nicht weitergehen konnte.

Sie dürfte dabei einige Schlüsselmomente ihrer politischen Karriere im Sinn gehabt haben - Momente, in denen sie viel wagte und letztlich viel gewann. Im Januar 2012 etwa ließ die damalige Ministerpräsidentin ihre zerstrittene Jamaika-Koalition im Saarland platzen - und fuhr bei der folgenden Neuwahl ein gutes Ergebnis ein.

Ihr Mut wurde bisher oft belohnt

Mit Risiko behaftet war vergangenes Jahr auch ihre Entscheidung, das Amt der Ministerpräsidentin aufzugeben und sich als Generalsekretärin in den Dienst der Bundes-CDU zu stellen. Ihr Mut wurde belohnt - sie wurde schließlich Parteichefin.

Was folgte, waren die wohl schwierigsten Monate ihrer politischen Karriere: der missglückte Toiletten-Witz im Karneval, die unsichere Reaktion auf das Rezo-Video, ihre missverständlichen Äußerung zur Kontrolle von Internetdiskussionen, das historisch schlechte Ergebnis für die CDU bei der Europawahl. AKK machte Fehler, und sie wusste das auch.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Folge war Unsicherheit, oft genug versteckte sich Kramp-Karrenbauer hinter hölzerner und lebloser Rhetorik. Sie sei vorsichtig geworden, verriet sie vergangenen Monat in einem NDR-Interview. Zwar wolle sie gerne authentisch auftreten und auf Phrasen verzichten - dies sei aber nicht einfach.

„Dass Politiker so abgeschliffen und ausgestanzt reden, hat natürlich auch mit Lernprozessen zu tun“, sagte Kramp-Karrenbauer. Sie habe bisweilen unterschätzt, welche Wirkung ihre Worte in den Medien entfalten können - und „ab dem nächsten Interview redet man nur noch mit einer Schere im Kopf“, sagte sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Das Verteidigungsministerium wird ihr nun eine große Bühne bieten, um wirkungsvoll das Wort zu erheben. Kramp-Karrenbauer muss diese Bühne zur Profilierung nutzen - es ist ihre große Chance, vielleicht auch ihre letzte.

(AFP / dpa)