Möglicherweise benötigt dieses Land keine neue Regierung. Eben legt die geschäftsführende Bundesregierung einen Plan vor, der mehr visionäre Kraft birgt als der gesamte Koalitionsvertrag: Der öffentliche Nahverkehr soll kostenlos sein, um große Städte von Lärm und Schmutz zu befreien. Das bedeutete eine ökologische Revolution für die Ballungsräume. Dass an diesem Gratis-Plan die Minister aus drei Parteien beteiligt sind, stärkt den Vorschlag. Man benötigt offenbar nicht immer die blitzenden Schneidezähne, um eine harte Nuss zu knacken. Der solide Backenzahn tut's auch.

Kaum ist der Vorschlag auf dem Tisch, brandet Kritik auf. Jetzt schlägt die Stunde der Bedenkenträger, die – quer durch alle Parteien – eine starke Strömung bildet. Die Einwände: Gratis-ÖPNV ist zu teuer, zu plötzlich, zu neu, zu alt. Auch Landesminister Hermann kann dem nichts abgewinnen. Ihm genügt ein bisschen Tempolimit auf der Autobahn. Aber warum nicht durchrechnen, probieren, einsteigen?