Am Telefon hört sich Lisa Riedel unaufgeregt an. Ja, sagt die 23-Jährige, sie hat von der Aufregung um der Master-Arbeit gehört, die sie mit Unterstützung ihres Konstanzer Professors Gerald Schneider verfasste. Freilich, die Brisanz der Flüchtlingspolitik war ihr schon bewusst. Aber mit dem breiten Echo rechnete sie nicht, ebenso wenig mit den harschen Reaktionen des Bundesamts für Flüchtlinge mit Sitz in Nürnberg, das in der Studie nicht gut wegkommt. "Dass wir damit eine politische Debatte lostreten würden, war mir nicht bewusst", sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Lisa Riedel sieht sich als gewöhnliche Studentin. Über den Master hinaus verfolgt sie keine Absichten, und an eine Doktorarbeit denkt sie nicht. Seit kurzer Zeit arbeitet sie bei einer Münchner IT-Firma als Assistentin der Geschäftsführung. Studentenleben ade und noch weniger Zeit für ihre Hobbys Fußball, Langlauf und Saxofon in der Dorfmusik Diepolz.

Riedel stammt aus dem beschaulichen Immenstadt im Allgäu. Politisch interessiert war sie schon immer – aber nie Mitglied einer Partei oder Bürgerinitiative. Auf das Thema stieß sie ihr Professor mit einem Vortrag über Flüchtlinge. Schneider begleitete sie während ihrer Forschungen und half beim Vergleich der Zahlen aus den einzelnen Bundesländern. Inmerhin steckt in der gemeinsamen Studie auch politisches Dynamit: Einheitliches Recht wird nicht einheitlich gehandhabt, in Sachsen wird derselbe Flüchtling anders beurteilt als in Rheinland-Pfalz oder Berlin. Das dürfte so nicht sein.

Lisa Riedel hatte einen Riecher und Glück. Ihr Master-Diplom ist keine akademische Massenware, sondern etwas Besonderes: eine Politologin, die ein Defizit erkennt und damit eine riesige Behörde in Nürnberg aufschreckt und zu wunderlichen Verrenkungen nötigt. Im besten Falle verändert ihr Befund das bundesweite Asylverfahren zum Guten. Sie staunt darüber.