Es waren viele. Hunderttausende machten sich vor 50 Jahren daran, die herrschenden Verhältnisse in Deutschland in Frage zu stellen. Einige von ihnen stehen exemplarisch für diese Zeit.

BENNO OHNESORG (1940-1967):

ARCHIV - Benno Ohnesorg am 02.06.1967 umringt von Helfern des Roten Kreuzes bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus, wo er kurze Zeit später verstarb. Bei einer Anti-Schah Demonstration in Berlin, bei der es zu schweren Zwischenfällen zwischen den Demonstranten und der Polizei kam, wurde der 26jährige Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. (zu dpa ««Wie starb Benno Ohnesorg?» - Rekonstruktion einer blutigen Nacht» vom 25.05.2017) Foto: Joachim Barfknecht/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bild: Joachim Barfknecht (dpa)

Die Schüsse, mit denen der Westberliner Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten am 2. Juni 1967 während der Proteste gegen den Schah von Persien tötet, verändern die Republik. Zum Symbol wird das Foto des sterbenden Ohnesorg. In der Folge kommt es zu landesweiten Demonstrationen. Später benennt sich die linksterroristische „Bewegung 2. Juni“ nach Ohnesorgs Todesdatum.

RUDI DUTSCHKE (1940-1979):

ARCHIV - Der Studentenführer und Ideologe des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), Rudi Dutschke steht am 6. März 1968 in der Aula der Halepaghenschule im niedersächsischen Buxtehude am Rednerpult.   Foto: Rolf Kruse/dpa   (zu dpa "Ikone der deutschen Linken: Vor 75 Jahren wurde Rudi Dutschke geboren" vom 06.05.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Bild: Rolf Kruse (dpa)

Der Studentenführer gilt als Kopf der außerparlamentarischen Opposition, die mit radikal-sozialistischen Ideen etwa gegen Vietnamkrieg, Nato und Notstandsgesetze kämpft. Am 11. April 1968 schießt ihm in Berlin ein Rechtsextremer in den Kopf. Es folgen die bis dahin schwersten Krawalle in der Bundesrepublik. Dutschke überlebt, leidet aber danach an Epilepsie. Er stirbt 1979.

BEATE KLARSFELD (geb. 1939):

Nazi hunter Beate Klarsfeld attends the 33rd annual dinner of the Representative Council of Jewish Institutions of France (CRIF - Conseil Representatif des Institutions juives de France) on March 7, 2018, in Paris. / AFP PHOTO / POOL / ludovic MARIN
Bild: LUDOVIC MARIN (POOL)

Auf einem CDU-Parteitag 1968 in Berlin ohrfeigt sie Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger aus Protest gegen dessen NS-Vergangenheit. Es ist eine Abrechnung mit dem „Schweigen der Väter“. Mit ihrem Mann Serge spürt die Journalistin später untergetauchte Nazis auf. 2012 geht sie für die Partei Die Linke ins Rennen um das Amt des Bundespräsidenten, scheitert aber.

DANIEL COHN-BENDIT (geb. 1945):

ARCHIV - Daniel Cohn-Bendit, ehemaliger Abgeordneter im Europäischen Parlament, ist am 15.07.2015 in den Studios Berlin-Adlershof zu Gast in einer Talk-Show.    Foto: Karlheinz Schindler/dpa   (zu dpa "Cohn-Bendit: Nichtwähler entscheiden zweiten Wahlgang in Frankreich" vom 07.12.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Bild: Karlheinz Schindler (dpa-Zentralbild)

Wegen seiner führenden Rolle bei den Pariser Unruhen 1968 verweist Frankreich den Sohn eines vor den Nazis geflohenen deutsch-jüdischen Anwalts und einer Französin des Landes, erst Jahre später wird das Einreiseverbot aufgehoben. Von 1994 bis 2014 sitzt der „rote Dany“ für die Grünen im EU-Parlament. 2015 erhält er neben der deutschen die französische Staatsbürgerschaft.

RAINER LANGHANS (geb. 1940):

Rainer Langhans erzählt am Montag (12.12.2011) in Bremen aus seinem Leben unter dem Motto "Von der Kommune 1 bis zum Dschungelcamp - Erfahrungen eines 68ers". Eingeladen zu dem Vortragabend hatte ein Bremer Studentenbund des RCDS. Foto: Ingo Wagner dpa/lni  +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Bild: Ingo Wagner (dpa)

Er ist einer der Gründer der „Kommune 1“ in Berlin. In der Wohngemeinschaft wird diskutiert, gefeiert und geliebt – ein Gegenentwurf zur bürgerlichen Kleinfamilie. Später zieht Langhans nach München und lebt dort mit mehreren Frauen in einer lockeren Lebensgemeinschaft. 2011 nimmt der heute 77-Jährige am RTL-„Dschungelcamp“ teil.

USCHI OBERMAIER (geb. 1946):

ARCHIV - Uschi Obermaier, aufgenommen am 12.10.2013 auf der 65. Frankfurter Buchmesse in Frankfurt am Main (Hessen). Foto: Arno Burgi/dpa (zu dpa «Ex-Topmodel Uschi Obermaier wird 70 - «Ich habe gute Gene»» vom 18.09.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Bild: Arno Burgi (dpa-Zentralbild)

Sie ist das schöne Gesicht der 68er und der Schwarm einer ganzen Generation. Obermaier wird zur Sex-Ikone, lässt sich auf Drogen und Rockstars wie Mick Jagger, Keith Richards und Jimi Hendrix ein. Das Fotomodel lebt damals in der „Kommune 1“, ist aber – wie sie später selbst sagt – nicht politisch. Heute arbeitet sie als Schmuckdesignerin in Kalifornien.

FRITZ TEUFEL (1943-2010):

ARCHIV - Fritz Teufel (M, ohne Bart), Mitglied der Berliner "Kommune 1", wird nach Tumulten im Schöneberger Rathaus am 15. September 1967 von Polizeibeamten abgeführt. Teufel, der während der Anti-Schah-Demonstration am 2. Juni 1967 unter dem Verdacht des Landfriedensbruches festgenommen wurde, hatte am 10. August unter Auflagen Haftverschonung erhalten. Nachdem er den Auflagen nicht nachgekommen war, wurde der Beschluß wieder aufgehoben. An der Demonstration der "Kommune I" im Schöneberger Rathaus am 15. September 1967 konnte Teufel unbehelligt teilnehmen, er wurde jedoch, nachdem die Polizei die Demonstranten aus dem Rathaus gedrängt hatte, auf dem Platz vor dem Rathaus von einem Polizisten erkannt und festgenommen.    (zu dpa "Die «68er» - zwischen freier Liebe und linker Revolte" vom 18.12.2017) Foto: Konrad Giehr/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Bild: Konrad Giehr (dpa)

Das „Kommune-1“-Gründungsmitglied sorgt durch spektakuläre Aktionen wie das „Torten-Attentat“ auf US-Vizepräsident Hubert Humphrey für Schlagzeilen. Später radikalisiert er sich und muss in Haft, zieht sich danach vom Protest zurück. Nach seinem Tod macht Teufel noch einmal Schlagzeilen: 2010 verschwindet seine Urne und taucht an Rudi Dutschkes Grab wieder auf.

HERBERT MARCUSE (1898-1979):

ARCHIV - 01.09.1976, Aufnameort unbekannt: Herbert Marcuse, Philosoph und Soziologe, geistiger "Altvater" der linken deutschen Studentenbewegung der 60er Jahre. (zu dpa «Herr Adorno, bitte schreiben Sie mir!» - Als Philosophen Stars waren" vom 20.02.2018) Foto: Wilhelm Bertram/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bild: Wilhelm Bertram (dpa)

Für die Studentenbewegung ist er so etwas wie ein „Philosoph zum Anfassen“. Eines seiner Schlagworte: „Befreiung“. Marcuse ist einer der herausragenden Vertreter der Frankfurter Schule, der auch Theodor W. Adorno und Max Horkheimer angehören. Mit der Machtübernahme Hitlers verließ er Deutschland Richtung USA. Seine Analysen der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft gehören zu den Standardwerken der 68er.

HANS MAGNUS ENZENSBERGER (geb. 1929):

ARCHIV - Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hält am 28.05.1968 bei einer Veranstaltung gegen die Notstandsgesetzgebung im Großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main einen Vortrag. Zahlreiche prominente Vertreter aus Wissenschaft und Kunst, darunter Frankfurter Professoren und der Verleger Unseld, riefen bei dem Treffen vor einem geladenen Publikum zum Widerstand gegen die Bonner Notstandsgesetze auf.    (zu dpa "Köpfe, die 1968 geprägt haben" vom 18.12.2017) Foto: Manfred Rehm/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Bild: Manfred Rehm (dpa)

Als einer der führenden Denker der Autorenvereinigung „Gruppe 47“ ist das von ihm herausgegebene „Kursbuch“ ein Leitmedium der Studentenbewegung. Enzensberger selbst ist kein Vorkämpfer, aber doch dicht dran: Während er auf Reisen ist, zieht 1967 kurzzeitig die „Kommune 1“ in seine Berliner Villa. Seine Stimme hat bis heute Gewicht.