Im Januar 2015 starb der dreijährige Alessio aus Lenzkirch im Schwarzwald, weil er von seinem Stiefvater dauerhaft misshandelt wurde. Das zuständige Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald geriet in die Kritik, weil es trotz der Hinweise von Ärzten untätig geblieben war. Immerhin hat man im Nachhinein viel Papier vollgeschrieben und Empfehlungen für einen besseren Kinderschutz erarbeitet.

Aber was bringen neue Handlungskataloge für Behördenmitarbeiter, wenn übergeordnete Familienrichter – wie sich jetzt herausstellt – falsche Entscheidungen treffen? Und das in zwei Instanzen! Warum sind die Richter nicht skeptischer gewesen, da doch bekannt war, dass der Partner der Mutter wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft war? Es ging also mitnichten um eine Rückführung des Jungen in eine intakte Familie. Das macht die Entscheidung noch weniger verständlich. Fazit: Man muss die Fehler der Justiz aufarbeiten – und anschließend mehr tun, als nur Papier vollzuschreiben.