Noch vor wenigen Monaten hat die Welt über Kim Jong Un gespottet. Der nordkoreanische Jungdiktator sei skrupellos und brutal, zugleich aber auch größenwahnsinnig. Immerhin hat er sich mit den mächtigen USA angelegt. Nun könnte er schon bald als raffiniertester Staatsführer dieses Jahrzehnts in die Geschichte eingehen.

Schon seine Charmoffensive während der Olympischen Winterspiele war geschickt. Dann folgte Kims Ankündigung, sich Ende April mit Südkoreas Präsident Moon Jae In zu treffen, wenige Tage später dann der Paukenschlag, auch mit Trump persönlich verhandeln zu wollen.

Kims Peking-Reise ist nun ein weiterer genialer Zug. Die letzten Jahre war das Verhältnis wegen Nordkoreas Atomwaffenprogramm auch zwischen Peking und Pjöngjang eisig. Nun gelingt es Kim, sich mit China zu versöhnen. Wenige Wochen vor seinem Treffen mit Trump kann Kim mit Rückendeckung Pekings rechnen – und mit noch stärkerem Selbstbewusstsein verhandeln.