Wenn Katja Suding von der FDP den Raum betritt, dann tritt der Lindner-Effekt mit weiblichem Vorzeichen ein: Die FDP-Politikerin verströmt jene Mischung aus norddeutscher Coolness und Unbekümmertheit. Nur bei einem Thema gefriert der Hamburgerin das Lächeln: Bei der AfD, die sie während der Sitzungen im Bundestag aus nächster Nähe hört und sieht. Die FDP-Fraktion, der Suding angehört, ist direkter Sitznachbar der AfD, und was sie da aus der Nähe erlebt, ist für die Parlamentarierin erschreckend. "Die AfD verhält sich unmöglich. Ihr Niveau ist beschämend," fasst sie bei einem Besuch in der SÜDKURIER-Redaktion in Konstanz ihre Eindrücke zusammen.

Plötzlich geht es um Mode

Teils thematisieren die ungeliebten rechten Nachbarn die Kleidung und Mode des jeweiligen Redners. Dazu kämen fremdenfeindliche Kommentare. Auch antisemitische Sprüche wollen sie und ihr Kollegen Benjamin Strasser aus dieser Ecke des Plenarsaals schon gehört haben. Leider hätte es das Bundestagspräsidium nicht gehört, so dass diese Ausfälle nicht gerügt werden konnten.

Video: Sebastian Küster

Unterwegs im Fiat 500

Katja Suding versteht die Richtung nicht, die der Streit um den Diesel und das Dieselfahrverbot inzwischen nimmt. Sie selbst fährt einen kleinen Fiat 500 mit Benzinermotor. Und sie ergreift Partei für die deutschen Unternehmen. "Wir sind dabei, unsere Automobilindustrie plattzumachen," rügt sie. Jedes Fahrverbot, in welcher Stadt auch immer, schränke die Mobilität der Bürger ein. Das ist für sie nicht hinnehmbar. Deshalb ist sie froh, dass 107 deutsche Lungenärzte die bisherigen Messungen anzweifeln und erst einmal neue Untersuchungen forderten. Außerdem fällt ihr auf, dass vor allem in deutschen Großstädten so scharf gemessen und verboten wird. „Die Grenzwerte für Schadstoffe gelten nicht nur für Deutschland, sie gelten ja in ganz Europa,“ stellt sie fest. Sie sieht die Bundesrepublik als einseitig benachteiligt im Wettbewerb der Standorte.

Weniger eindeutig fallen die Antworten aus, wenn es um einen Regierungseintritt der FDP geht. Die ersten Anläufe für eine Jamaika-Koalition (Schwarz-grün-gelb) waren maßgeblich an Christian Lindner gescheitert. Katja Suding stellt das anders dar, wenn sie beim Besuch dieser Zeitung sagte. "Frau Merkel saß bei den Sondierungen 2017 auf dem falschen Gleis." Deshalb seien die Gespräche geplatzt. Inzwischen nähern sich die Liberalen wieder Jamaika an – aber nur ohne Angela Merkel.

Warum nicht Friedrich Merz?

Doch auch mit Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) kann die Liberale nicht richtig warm werden. Die Haltung der neuen CDU-Chefin zur "Ehe für alle" gefällt der FDP-Vizevorsitzenden Suding nicht. AKK hatte damals bekannt, dass sie gegen diese Lösung ist. Mit ihrem innerparteilichen Konkurrenten hätte sich die FDP dagegen anfreunden können, auch wenn gelegentlich das Gegenteil vermutet wird. "Friedrich Merz wäre für uns kein Problem gewesen," sagt sie. Würde er als Wirtschaftsliberaler der FDP nicht Stimmen abjagen? Suding verneint und sagt dann einen Satz, der auch gut in den Wahlkampf passt: "Wir sind für jene eine Heimat, die auf wirtschaftspolitische Vernunft setzen."

Kritisch sieht die Hamburgerin die Grünen, die in der öffentlichen Aufmerksamkeit inzwischen weit an der FDP vorbeigezogen sind. Robert Habeck hält sie für überschätzt. Sie berichtet von einer Rede, die der grüne Co-Vorsitzende kürzlich hielt, die "unkonkret" gewesen wäre und "peinlich."

Man kennt sich

Auf dem kleinen Dienstweg verstehe man sich mit den Grünen aber gut, sagt Suding. Sie berichtet von einem regelmäßigen Austausch mit jungen Mandatsträgern dieser Partei in Berlin. Für den Fall, dass von heute auf morgen über Jamaika verhandelt wird, kennt man sich immerhin. Dagegen geht sie nicht davon aus, dass in diesem Jahr noch ein neuer Bundestag gewählt wird. Immerhin hängen die meisten Abgeordneten an ihren Mandaten – und wissen nicht, ob sie erneut gewählt würden.