So etwas hat es in der Mediengeschichte Baden-Württembergs noch nicht gegeben: Die Chefredakteurinnen und Chefredakteure fast aller im Land erscheinenden Tageszeitungen wenden sich mit einem deutlichen Appell an die Öffentlichkeit. Sie treten ein für die Freiheit und Unabhängigkeit der Presse.

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Sie sind überzeugt davon: Es ist höchste Zeit, den Wert unabhängiger und geprüfter Information anzuerkennen. Wenn Gesellschaften sich auf das allgemeine Getöse im Internet und flüchtige Bemerkungen in sozialen Netzwerken verlassen, bezahlen demokratische Gefüge einen hohen Preis.

Die Redakteurinnen und Redakteure unseres Bundeslandes bekennen sich zum seriösen, professionellen Journalismus und stehen für ihre Inhalte gerade. Auch der SÜDKURIER unterzeichnet den Weckruf und beteiligt sich an der Aktion „Journalismus zeigt Gesicht“.

Hier lesen Sie den Text, der am 6. November auf den Titelseiten fast aller Zeitungen in Baden-Württemberg erscheint, im Wortlaut:

Die beste Zeit für guten Journalismus ist jetzt

Journalismus ist in einer Demokratie unerlässlich. Journalisten treten für die Suche nach der Wahrheit ein, sie recherchieren, sind unabhängig, und sie lassen sich nicht kaufen. Wer auf journalistische Informationen zurückgreift, der weiß: Darauf kann ich mich als Leserin und als Leser verlassen.

Doch dieser Wert des Journalismus wird in Zeiten digitaler Kommunikation zunehmend in Frage gestellt. Schreiber in sozialen Netzwerken verbreiten Unwahrheiten, ohne ihre Identität zu offenbaren. Hetze greift um sich, und sie bleibt ungestraft. Propaganda vergiftet das Klima, ohne dass sich die Absender dafür rechtfertigen müssten. Journalisten machen das alles nicht, denn sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst.

Bild: VSZV/SÜDKURIER

Journalisten sind Dienstleister. Dienstleister ihrer Leserinnen und Leser, Dienstleister der Demokratie. Ohne freien, kritischen und fairen Journalismus kann das Gemeinwesen nicht funktionieren. Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen bezeichnet Journalismus als „Lebensversicherung der Demokratie“, weil Journalismus wahrhaftige Information transportiert, viele verschiedene Meinungen zulässt und niemals anonym ist.

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Schon die Autoren unseres Grundgesetzes haben diesen Wert betont und unter dem Eindruck der Nazi-Diktatur die journalistische Arbeit unter besonderen Schutz gestellt. Sie hatten zum Ziel, dass Journalisten Machtmissbrauch und Ungerechtigkeiten ans Licht bringen und zur Hygiene der Demokratie beitragen. Das ist gelungen – bis heute. Wir wollen, dass es so bleibt.

Bild: VSZV/SÜDKURIER

Die regionale Tageszeitung ist in Deutschland die mit Abstand meistgenutzte Informationsquelle im Lokalen: Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lesen sie online und gedruckt, um sich über das Geschehen am Wohnort zu informieren. Redaktionen vor Ort tragen erheblich dazu bei, dass das Gemeinwesen erhalten bleibt. Und wir meinen es ernst mit unserer Verantwortung. Unsere Leser können sich darauf verlassen, dass unsere Veröffentlichungen nach bestem Wissen und Gewissen, nach professionellen Standards und ohne verborgene Absichten erfolgen.

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Und sollten uns – das kommt vor – Fehler unterlaufen, dann stellen wir diese richtig. Wir, die Redakteurinnen und Redakteure der baden-württembergischen Zeitungen, stehen für diese Werte ein. Wir wollen nicht, dass das Gemeinwesen seine Informationen aus dubiosen Quellen beziehen muss, ohne deren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können. „Journalismus zeigt Gesicht“ heißt unsere Aktion, mit der wir zeigen, wer wir sind und wofür wir stehen. Mehr als 50 Tageszeitungsredaktionen in Baden-Württemberg beteiligen sich an dieser Aktion.

Bild: VSZV/SÜDKURIER

Wer professionellen Journalismus vor Ort wertschätzt, der verteidigt die Meinungsfreiheit und damit eine der tragenden Säulen der Demokratie.

 

Dieser Aufruf wurde unterzeichnet von:

Klaus Michael Baur (Badische Neueste Nachrichten)

Thomas Fricker (Badische Zeitung)

Michael Roth (Bergsträßer Anzeiger)

Dr. Claudia Mocek (Bietigheimer Zeitung)

Guido Neidinger (Die Oberbadische)

Gerd Schneider (Esslinger Zeitung)

Dieter Schwab (Fränkische Nachrichten)

Michael Länge (Gmünder Tagespost)

Dr. Marcus Haas (Haller Tagblatt)

Thomas Zeller (Heidenheimer Zeitung)

Uwe Ralf Heer (Heilbronner Stimme)

Andreas Harthan (Hohenloher Tagblatt)

Ernst Klett (Hohenzollersche Zeitung)

Jan-Philipp Schlecht (KREISZEITUNG Böblinger Bote)

Jörg Braun (Lahrer Zeitung)

Dirk Lübke (Mannheimer Morgen)

Karsten Kammholz (Mannheimer Morgen)

Peter Kiedaisch (Metzinger-Uracher Volksblatt)

Thomas Eier (Mühlacker Tagblatt)

Dr. Ralf Trautwein (Die Neckarquelle)

Anneliese Lieb (Nürtinger Zeitung, Wendlinger Zeitung)

Helge Thiele (NWZ Göppingen)

Magnus Schlecht (Pforzheimer Zeitung)

Dr. Christoph Fischer (Reutlinger General-Anzeiger)

Inge Höltzcke (Rhein-Neckar-Zeitung)

Dr. Klaus Welzel (Rhein-Neckar-Zeitung)

Jochen Höneß (Rundschau für den Schwäbischen Wald)

Damian Imöhl (Schwäbische Post, Gmünder Tagespost)

Dr. Hendrik Groth (Schwäbische Zeitung)

Dr. Gernot Stegert (Schwäbisches Tagblatt)

Hans-Peter Schreijäg (Schwarzwälder Bote)

Jürgen Gruler (Schwetzinger Zeitung)

Hans-Jörg Zürn (Sindelfinger Zeitung, Böblinger Zeitung)

Jürgen Haar (Sindelfinger Zeitung, Böblinger Zeitung)

Dr. Christoph Reisinger (Stuttgarter Nachrichten)

Joachim Dorfs (Stuttgarter Zeitung)

Stefan Lutz (SÜDKURIER)

Ulrich Becker (SÜDWEST PRESSE)

Frank Hoffmann (Der Teckbote)

Uwe Bögel (VAIHINGER KREISZEITUNG)

Frank Nipkau (Zeitungsverlag Waiblingen)

Marco Fraune (Weiler Zeitung)

Carsten Propp (Weinheimer Nachrichten)

Sandro Furlan (Weinheimer Nachrichten)

Klaus Irion (ZOLLERN-ALB-KURIER)