Wer es bislang nicht wusste, dem ist spätestens jetzt klar: Verbindende Worte sind das seine nicht. Jens Spahn bürstet bewusst gegen den Strich. Dieser Eigenschaft hat er seinen Karrieresprung zu verdanken. Nicht nur die Opposition hat ihr Feindbild gefunden, wenn der baldige Gesundheitsminister sein Urteil über Hartz IV fällt. Auch seine Gegenspielerin in der eigenen Partei ist flugs in die ihr zugewiesene Rolle geschlüpft: Annegret Kramp-Karrenbauer übernimmt den Part der Versöhnerin.

Mit sanftem Widerspruch kommentiert sie die Einlassungen des jungen Kollegen. Spahn und Kramp-Karrenbauer – ein perfektes Gespann, das in der CDU die unterschiedlichen Lager in den kommenden vier Jahren bedienen soll. Und auch die SPD hat mit Spahn den perfekten Sparringspartner, von dem sie sich wortgewaltig distanzieren kann. Nur den eigenen Anhängern müssen die Sozialdemokraten noch erklären, warum sie ihr eigenes politisches Projekt – nichts anderes ist Hartz IV – öffentlich geißeln.