Schwimm- und Sportverbände im Land sowie die DLRG, die sich in einer „Bäderallianz für Baden-Württemberg“ zusammengetan haben, schlagen Alarm: Zahlreiche der 836 Hallen- und Freibäder in Baden-Württemberg sind nach Angaben der „Bäderallianz“ dringend sanierungsbedürftig. 45 Bäder seien landesweit zwischen 2007 und 2015 bereits geschlossen worden, sechs weiteren wurde im vergangenen Jahr das Wasser endgültig abgelassen. Über ein Dutzend weitere Bäder seien landesweit akut von der Schließung bedroht – den chronisch klammen Kommunen fehlt das Geld für eine millionenschwere Sanierung. Die Folge: Wo wohnortnahe Schwimmbäder fehlen, findet weder in Vereinen noch in Schulen Schwimmunterricht statt. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die gar nicht oder nicht sicher schwimmen können, steigt seit Jahren und liegt nach Schätzungen der DLRG landesweit mittlerweile bei knapp 60 Prozent.

Zwei Milliarden Euro Sanierungsbedarf

Auf landesweit zwei Milliarden Euro wird der Sanierungsbedarf an Bädern von Experten der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen geschätzt. Und wo sich Kommunen zur Sanierung ihrer maroden Bäder entschließen – wie vor kurzem in Waldshut-Tiengen nach einem entsprechenden Bürgerentscheid – kommen erhebliche Belastungen auf die Haushalte zu. Selbst dann, wenn wie im Fall von Waldshut ein anonymer Spender eine Million Euro dafür zur Verfügung stellt. Anderswo könne das nicht gestemmt werden: Geschätzte 50 Millionen Euro etwa, führt die „Bäderallianz“ an, müsste die Stadt Pforzheim in die Hand nehmen, um die städtischen Badestätten zu sanieren.

Die Landtags-SPD will daher auf einen Brandbrief der Verbände, die sich in einer „Bäderallianz für Baden-Württemberg“ zusammengetan haben, reagieren. Kommende Woche will die SPD bei den Verhandlungen zum Nachtragshaushalt 2018/2019 ein eigenes Landesförderprogramm für den Bädererhalt in Höhe von 30 Millionen Euro beantragen. Dabei sollen mit einem Landeszuschuss von 20 Prozent und maximal einer Million pro Schwimmbad Sanierungsinvestitionen der Kommunen gefördert werden. „Schwimmbäder in unseren Städten und Gemeinden sind Pflicht und sollten nicht nur als Kür betrachtet werden“, sagt Fraktionschef Andreas Stoch.

Land soll sich an Sanierung beteiligen

Die „Bäderallianz“ hat zur Rettung der Schwimmstätten einen Fünf-Punkte-Forderungsplan aufgestellt, der unter anderem vom Land eine Wiederaufnahme der kommunalen Bäder in die Sportstättenbauförderung verlangt. Zudem soll sich das Land stärker an der energetischen Sanierung der Bäder beteiligen. Die zumeist in den Sechziger und Siebziger Jahren gebauten Schwimmstätten sind nicht nur baulich marode, sondern aus heutiger Sicht auch verheerende Energieschleudern. Weitere Forderungen sind Unterstützung für Kommunen, die Schwimmunterricht ermöglichen oder eine multifunktionale Planung beim Um- oder Neubau. Das heißt: Bäder sollen nicht nur einem Spaß- und Freizeitkonzept folgen, sondern auch klassischen Schwimmunterricht ermöglichen.

Der Städtetag Baden-Württemberg hat der Bäderallianz ebenfalls Unterstützung für die Forderungen zugesagt, zugleich aber auf die Anstrengungen von Land und Kommunen bei den anstehenden Schulgebäudesanierungen verwiesen. Nach drei Jahren Verhandlungen hat man sich dabei endlich auf ein Vier-Milliarden-Paket geeinigt. „Wir erwarten die Unterstützung des Landes auch bei den Bädern,“ sagt Städtetags-Dezernent Norbert Brugger, „aber man muss auch sagen, dass man nicht alles gleichzeitig machen kann.“ Städtetags-Präsident Peter Kurz verweist in seiner Antwort an die Bäderallianz zudem auf eine Umfrage zum Schulschwimmen, die in diesem Schuljahr vom Kultusministerium landesweit an allen Schulen durchgeführt und deren Ergebnis Ende 2019 erwartet wird.

Für die Landtags-SPD gehört zu einem Konzept zur Förderung der Schwimmfähigkeit zwingend auch ein Förderprogramm für kommunale Bäder. Die Landesregierung müsse gewährleisten, dass die nötige Infrastruktur bereitgestellt werden könne. „Es darf niemandem egal sein, dass immer mehr Menschen ertrinken, weil sie nicht schwimmen können“, so SPD-Fraktionschef Stoch.