Die päpstliche Almosenverwaltung ist eine eher unbekannte Behörde in der römischen Kurie. Ihr Chef ist der Pole Konrad Krajewski, der am Wochenende in Italien Schlagzeilen machte. Der päpstliche Almosenier Krajewski schaltete eigenhändig den seit einer Woche abgestellten Strom in einem besetzten Gebäude in Rom wieder an und widersetzte sich auf diese Weise der staatlichen Obrigkeit.

Weil die 450 Bewohner seit Monaten keine Rechnungen bezahlt und Schulden von 300 000 Euro angehäuft hatten, unterbrach der Stromzulieferer vor knapp einer Woche den Service. In dem Gebäude leben Familien, darunter etwa 100 Kinder sowie kranke und hilfsbedürftige Menschen. „Probieren Sie mal aus ein paar Stunden ohne Strom und warmes Wasser zu sein“, sagt Krajewski. Er übernehme „die volle Verantwortung“ für seine Aktion.

„Du musst raus und die Armen suchen“

Den „Robin Hood des Papstes“ nennen sie Krajewski nun in Italien. So bezeichnete die Tageszeitung La Repubblica Krajewski auf ihrer Titelseite und wollte damit wohl einen Kontrapunkt setzen gegen die zahlreichen Berichte aus Italien von abgewiesenen Immigranten oder ausgegrenzten Sinti und Roma und das von der populistischen Regierung geförderte feindselige Klima gegen Minderheiten. Papst Franziskus verfolgt hier eine andere Agenda, sein verlängerter Arm ist dabei der Almosenverwalter Krajewski. Schon vor etwa einem Jahr kreierte der Papst Krajewski zum Kardinal, auch das war bereits ein Zeichen.

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Der Pole ist mit 55 Jahren der derzeit zweitjüngste Purpurträger im Kollegium, aus dem der nächste Papst gewählt werden wird. Als Franziskus ihm im Juni vorigen Jahres das rote Birett aufsetzte, soll er gesagt haben: „Der Schreibtisch ist nichts für dich, du kannst ihn verkaufen. Warte nicht darauf, dass die Armen zu dir kommen, du musst raus und die Armen suchen!“

Nachts hilft er Obdachlosen

Krajewski, der vergangene Woche Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos besuchte, steht für eine Kirche, die Jorge Bergoglio zufolge an die Peripherien gehen muss, um zu wirken. Manche halten das für katholische Propaganda. Die Hilfe, die Krajewski bietet, wirkt allerdings durchaus konkret.

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Nachts ist der Almosenverwalter in Rom mit Helfern und einem weißen Lieferwagen unterwegs und verteilt Lebensmittel, Decken und Kleider an Obdachlose. Krajewski, der jahrelang als Zeremonienmeister wirkte, hat offenbar elektronische Vorkenntnisse. Wie es heißt, soll er vor seinen theologischen Studien als Elektriker gearbeitet haben. Dennoch wurde nun Anzeige gegen ihn erstattet, weil er unbefugt den Hausanschlusskasten öffnete.

Krajewski hatte die Bewohner des besetzten Hauses schon früher mit Hilfsgütern und Medikamenten versorgt. Am Wochenende habe er offenbar versucht, diesbezüglich mit der Stadtverwaltung zu verhandeln. Als dies kein Ergebnis brachte, ging er eigenhändig zu Werke und hinterließ seine Visitenkarte am Tatort. Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini polemisierte gegen den Kardinal und sagte, er hoffe, dass der Almosenverwalter nun auch die ausstehenden Rechnungen begleiche.