Olaf Scholz ist nicht nur Vizekanzler und Finanzminister in der großen Koalition, er ist auch stellvertretender Vorsitzender der SPD. Und er kann seinen Ehrgeiz, Kanzlerkandidat der SPD zu werden, kaum mehr verbergen. Um aber das Herz seiner Partei zu erreichen, muss der kühl wirkende Hanseate seine sozialdemokratische Seele unter Beweis stellen. Das wiederum gelingt am leichtesten, indem man die Besservedienenden ins Visier nimmt. Seine Forderung, den Spitzensteuersatz für Gutverdiener von 42 auf 45 Prozent zu erhöhen, sorgt vor allem im linken SPD-Lager für Begeisterung. Zumal Scholz seinen Vorstoß mit der spitzen Bemerkung garniert, der Spitzensteuersatz habe unter dem CDU-Kanzler Helmut Kohl schon mal bei 53 Prozent gelegen.

Nur, ein kühler Kopf wie Olaf Scholz weiß nur zu gut, dass es weder in diesem noch im nächsten noch im übernächsten Jahr zu einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes kommen wird. Mit der Union ist das nicht zu machen, dafür wird es nie eine Mehrheit geben.