Paris – Marion Esnault erwartet ihren Prozess vor einem Pariser Gericht am 11. September. Er flößt ihr Angst ein und macht sie zugleich stolz: Denn so erhält die Aktion Aufmerksamkeit, wegen derer sie und sieben Mitangeklagte sich verantworten müssen. „Mein Verbrechen? Ich war am 28. Februar an der Beschlagnahmung von zwei Porträts von Präsident Emmanuel Macron in den Rathäusern des dritten und vierten Arrondissements von Paris beteiligt“, so die 30-Jährige.

Gemeinschaftlicher Diebstahl

Wegen des Vorwurfs des „gemeinschaftlichen Diebstahls“ drohen ihr bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldbuße von bis zu 75 000 Euro. Das gerahmte Präsidenten-Foto kostete zum Zeitpunkt der „Beschlagnahmung“ 8,70 Euro.

Während es der Anklage um den symbolischen Wert geht und um die Ahndung eines „moralischen Angriffs“ auf die Republik, übten sich die Täter im zivilen Ungehorsam: Ohne das übliche Präsidenten-Bild sei die Mauer im Rathaus „ebenso leer wie die Klima- und Sozialpolitik der Regierung“, argumentiert der Zusammenschluss „Hängen wir Macron ab!“, dem die Umweltaktivistin Esnault angehört und den mehrere Politiker der Grünen und der Linken unterstützen.

Damit prangere man „die Kluft zwischen den schönen Reden von Emmanuel Macron und seinen Taten“ an.

Umweltziele verfehlt

Vorgeworfen wird dem Präsidenten, trotz seines Versprechens, aus dem Kampf gegen den Klimawandel eine Priorität zu machen, tatenlos zu bleiben. 2017 habe Frankreichs CO2-Ausstoß um 6,7 Prozent über seinem eigenen Ziel gelegen.

Im vergangenen Jahr sammelten vier Nichtregierungsorganisationen mehr als zwei Millionen Unterschriften, um den französischen Staat wegen mangelnden Engagements zur Begrenzung der CO2-Emissionen vor Gericht zu bringen; im März wurde die Klage eingereicht.

Vor allem seit dem guten Abschneiden der französischen Grünen bei den Europawahlen und aufgrund des wachsenden Interesses der Bevölkerung für Umweltthemen betont Macron zwar regelmäßig deren große Bedeutung, schuf eine „Bürger-Konvention“ und einen „Rat für die ökologische Verteidigung“. Doch Umweltschutzvereine halten ihn für unglaubwürdig.

Weil Frankreich laut „Hängen wir Macron ab!“ 2019 nach 125 Tagen alle Ressourcen verbraucht habe, die sich in einem Jahr erneuern lassen, gaben die Aktivisten das Ziel vor, 125 seiner Porträts abzuhängen. Sie kamen sogar auf 128.