Langsam nach vorne: Zwar bewegt sich die Politik in Stuttgart noch auf der Kriechspur. Aber inzwischen macht sich auf beiden Seiten der Koalition ein neuer Pragmatismus breit.

Die CDU fügt sich in das Unvermeidliche von Fahrverboten in Stuttgart. Es geht nur noch um Fragen, mit welchen Fristen und für welche Fahrzeuggruppen die freie Fahrt in der Umweltzone zu Ende sein wird. Auch bei den Grünen gewinnen allmählich die Realisten die Oberhand.

So watscht die vom Grünen Fritz Kuhn regierte Stadt die Verkehrsplaner des Landes im Haus von Grünen-Minister Winfried Hermann ab, die ausgerechnet an der Messstelle mit den höchsten Schadstoffwerten eine Busspur auf Kosten der Autos vorbereiten. Weitere Staus, höhere Luftbelastung und damit auch zusätzlicher Ärger wären wohl programmiert.

Die Bundesregierung macht sich derweil einen schlanken Fuß. Sie lässt die Länder und die betroffenen Städte allein mit dem Umweltproblem. Die erhoffte blaue Plakette zur Kennzeichnung sauberer Diesel wird es nicht geben. Das macht die Überwachung von Fahrverboten schwierig.

Auch die Überlegungen für eine Nachrüstung mit zusätzlichen Katalysatoren, wie sie in der CDU-Landtagsfraktion angestellt werden, sind wohlfeil. Denn verpflichten kann das Land die Autokonzerne dazu nicht. Weil der Bund nicht will, wäre auch eine Bundesratsinitiative nicht viel mehr als Augenwischerei. Mit Fahrverboten wollen die meisten Politiker halt lieber nichts zu tun haben.