Athen – Kyriakos Mitsotakis konnte am Sonntag gleich doppelt feiern: seinen Namenstag und seinen Wahlsieg. Zu den persönlichen Gegenständen, die der designierte griechische Premierminister an diesem Montag mit in die Villa Maximos nehmen wird, den Amtssitz des Ministerpräsidenten, gehören auch jene Familienfotos, die bisher hinter seinem Schreibtisch im Hauptquartier der konservativen Nea Dimokratia (ND) standen. Es sind viele Fotos, denn die Sippe ist groß.

Sein Vater öffnet erzkonservative Partei für liberales Gedankengut

Eines zeigt seinen vor zwei Jahren verstorbenen Vater Konstantinos Mitsotakis. Dieser öffnete Mitte der 1980er Jahre als ND-Vorsitzender die bis dahin erzkonservative Partei für liberales Gedankengut und war von 1990 bis 1993 griechischer Ministerpräsident.

Eine ganze Familie verschreibt sich der Politik

Kyriakos Mitsotakis kommt aus einer der ältesten Polit-Dynastien des Landes. Sein Urgroßonkel war der legendäre kretische Staatsmann Eleftherios Venizelos, der das Land zwischen 1910 und 1933 mit Unterbrechungen 15 Jahre lang regierte. Der Großvater und Urgroßvater waren Abgeordnete. Seine Schwester Dora Bakogianni war Außenministerin.

Auf dem Weg in den Präsidentenpalast in Athen: Kyriakos Mitsotakis und seine Frau Mareva. Bild: AFP
Auf dem Weg in den Präsidentenpalast in Athen: Kyriakos Mitsotakis und seine Frau Mareva. Bild: AFP | Bild: ANGELOS TZORTZINIS/'AFP

Studium an Elite-Universitäten

Aber Kyriakos Mitsotakis zögerte mit dem Einstieg in die Politik. Nach dem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an den amerikanischen Elite-Universitäten Harvard und Stanford arbeitete er als Analyst bei der Chase Bank in London, beim Beratungsunternehmen McKinsey und bei griechischen Banken, bevor er 2004 zum ersten Mal für einen Parlamentssitz kandidierte. 2016 wurde er in einer Mitgliederwahl zum ND-Vorsitzenden bestimmt. Schon kurz darauf überflügelte die Partei in den Umfragen das Linksbündnis Syriza.

Manche sehen in Mitsotakis einen Repräsentanten der alten politischen Elite, die das Land mit Korruption und Vetternwirtschaft in die Krise geführt hat. Er selbst versteht sich dagegen als Erneuerer. Mitsotakis hat sich als Parteichef nicht nur mit einem Stab junger Mitarbeiter umgeben, von denen viele vorher mit der Politik gar nichts am Hut hatten. Auch die Kandidatenlisten, mit denen die ND zu dieser Wahl antrat, spiegeln einen Neubeginn: Sieben von zehn Aspiranten, die sich um einen Parlamentssitz bewarben, traten zum ersten Mal für ein politisches Mandat an.

Er ist fleißig, schont sich aber selbst nicht

Mitarbeiter beschreiben Mitsotakis als „fordernden Teamplayer“. Der Chef ist fleißig, schont sich nicht, verlangt aber auch viel von seinen Mitarbeitern. „Er fordert Leistung“, sagt einer aus dem Stab. „Aber wenn Du einmal einen Fehler machst, wird er Dich niemals persönlich deswegen angreifen.“ Mitsotakis bleibt höflich, wahrt die Form. Dazu gehört auch ein bestimmtes Maß an Distanz.

Nur engste Vertraute duzen ihn – aber nie öffentlich

Nur wenige seiner engsten Vertrauten, vielleicht ein halbes Dutzend Männer und Frauen, duzen ihn – und auch das nur im privaten Gespräch, nie öffentlich.Seine 51 Jahre sieht man dem dreifachen Vater nicht an. Der 1,87 Meter große, schlanke Mitsotakis hält sich fit: Regelmäßig trifft er sich mit Jugendfreunden und spielt Basketball. Mitsotakis tritt leger auf, krempelt gern die Hemdsärmel hoch, wirkt aber nie kumpelhaft. Im Wahlkampf trug er häufig Jeans und Polohemd. Aber zu seinem Stil gehört, dass er im Parlament und bei offiziellen Anlässen stets im dunklen Anzug mit Krawatte erscheint – im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Alexis Tsipras, der selbst zu Staatsempfängen mit offenem Hemdskragen kam.

Noch etwas unterscheidet die beiden: Während Tsipras bei seinem Amtsantritt nur mühsam mit ein paar Brocken schwer verständlichen Englischs parlierte, spricht Mitsotakis fließend Englisch, Französisch und Deutsch. Zumindest sprachliche Verständigungsprobleme sollte es deshalb nicht geben, wenn „der Neue“ voraussichtlich Mitte Oktober erstmals als Regierungschef an einem EU-Gipfel teilnimmt.